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Feierabend Furiousum

Mitte der 80er war der kokainsüchtige Martin Scorsese auf einem Tiefpunkt, privat wie beruflich. Zu viele Drogen, zu wenig Bock, zu viel Party, zu wenig Kreativität. Doch dann kam dieses kleine, quirlige Projekt, das ihm wieder Zuversicht und Lust machte - „After Hours“, ein schwarze Komödie voller surrealer Twists und einem New York, das wie immer nie schläft und nur um sich selbst kreist. Es geht um einen alleinstehenden und einsamen Computerexperten, der nach einem harten Arbeitstag eigentlich nur lesen und entspannen möchte. Doch als ihm eine mysteriöse Schönheit anspricht und zu sich nach Hause einlädt, verläuft die Nacht alles andere als glatt und es entwickelt sich eine wahnsinnige Spirale der Missverständnisse und Verwechslungen, verpassten Gelegenheiten und verplanten Möglichkeiten...

„After Hours“ kennt keine Bremse. Ein Script, das sich absolut spontan anfühlt und unaufhörlich nach vorne geht. Als ob die Schreiber einfach mal, vielleicht ja sogar in einer Nacht, drauf los geschrieben hätten und sich auf dem Weg einige geniale Ideen, Verbindungen und Überraschungen aus dem Ärmel ziehen konnten. Leicht surreal (man hätte sich wirklich eine Tim Burton-Version vorstellen können, wie es zuerst geplant war!), erfrischend witzig und zudem eine Ode an den Big Apple und seine egozentrischen Bewohner. Über kläglich vorüberziehenden Beinahe-Beischlaf und einen schlaflosen Feierabend, an dem alles passieren kann aber nichts muss. „After Hours“ ist ungemein kurzweilig, ich liebe seine Beleuchtung, einige Dialoge oder auch den Score/Soundtrack. Das passt auffällig gut, man merkt förmlich wie Scorseses Funken wieder zündet. Schnell, instinktiv, wie eine Mischung aus Hitchcock und Bogdanovich. Das perfekte Projekte für ausgebrannte Geister. Gegen Sinnfragen, Existenzkrisen und Langeweile. Zwischen Sperrstunde und der Müllabfuhr. Und dass Scorsese seinem sympathischen Star Griffin Dunne für die Drehzeit drastisch Sex und Schlaf verbot, ist eine nur allzu gut passende und ziemlich tolle Anekdote.

Fazit: ein eher unbekannter Scorsese - aber kaum schwächer als seine großen Titel, Meisterwerke, Geniestreiche. „After Hours“ ist verspielt, spontan, voller dunklem Humor und ein erfrischender Spritzer in der edlen Filmographie des Mafiakönigs. Geheimtipps kommen kaum stilvoller. Spleenig und charmant! 

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