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Staffel 1

Die Mittdreißigerin Xandra Keizer (Karina Smulders) hat es geschafft: Nach schwieriger Kindheit hat sie sich mittlerweile konsolidiert und ist nun Ehefrau des frischgebackenen Sprechers des Bürgermeisters von Amsterdam, Michiel Pressman (Matteo van der Grijn). Während sie in einer Agentur arbeitet und ihre rebellische 16jährige Tochter Lulu (Susan Radder) bändigen muß, erinnert sie sich nur ungern an vergangene Episoden aus ihrem Leben, als sie, von ihrer Mutter und deren Lebensgefährten schwer mißhandelt, eine zeitlang auf der Straße lebte, Drogen konsumierte und auch schon im Gefängnis saß. Aus Letzterem holte sie seinerzeit der junge, ambitionierte Anwalt Pressman heraus und heiratete dann seine Klientin. Dieser hat nun Karriere gemacht und eigentlich läuft für Xandra alles recht gut, bis eine ehemalige Kollegin aus dem Rotlichtmilieu sie um eine einmalige Mitarbeit bei einem Escort-Service bittet. Xandra, die auch in diesem Bereich schon über gewisse Erfahrungen verfügt, willigt ein, schließlich ist es leicht verdientes Geld, da sie nur beaufsichtigend tätig ist. Dummerweise wird die ehemalige Kollegin wenige Tage später ermordet aus einem Fluß geborgen, und die Hintermänner des Escort-Service drängen Xandra, die Aushilfstätigkeit zu ihrem Vollberuf zu machen. Doch damit nicht genug: Ihre bösartige Mutter, die sie Tochter und Ehemann gegenüber für tot ausgegeben hat, taucht unvermittelt wieder auf und lockt die rebellische Tochter in ihr splendides Anwesen im belgischen Antwerpen...

Wie man der Einleitung entnehmen kann, ist die niederländische Serie Keizersvrouwen ein speziell für das weibliche Publikum konzipiertes TV-Drama, das sich in 10 Folgen der 1. Staffel ganz und gar um das Leben der kurzhaarigen blonden Hauptdarstellerin dreht. Die stets auf ein adrettes Äußeres bedachte Xandra muß schon bald den erwähnten Escort-Service als Leiterin und Organisatorin übernehmen, dessen etwa 4 - 5 junge weibliche Mitglieder nacheinander vorgestellt werden. Der weitere Verlauf der Serie dreht sich mehr oder weniger hauptsächlich um die Arbeit der sich Bliss nennenden Truppe, die von ebenso reichen wie sexuell verklemmten Klienten gebucht werden und dabei so manches Abenteuer erleben. Dabei gelingt es Xandra stets, trotz mancherlei Widrigkeiten die Truppe beisammen zu halten - den Rest dieser Staffel nimmt ihr Kampf gegen ihre bösartige, dominante Mutter ein, die sich als Unterweltsgröße herausstellt und ihr mit allen Mitteln Töchterchen Lulu abspenstig machen will.

Bei soviel weiblicher Dominanz nimmt es nicht Wunder, daß die männlichen Rollen entsprechend schwach ausfallen: ganz ausschließlich in Nebenrollen dürfen neben Ehemann Michiel (der schnell erkennen muß, daß sein neuer Job als Sprecher des Bürgermeisters nur die Rolle eines Strohmanns darstellt, während die Fäden wie eh und je von der grauen Eminenz gezogen werden) und einem arabischen Kriminalbeamten in zivil noch ein paar proletoide Unterweltler (die jedes blöde Klischee erfüllen) agieren sowie in noch winzigeren Nebenrollen einige der reichen Escort-Kunden, die als Banker, Kunstmäzene oder - der reichste von ihnen - als Waffenhändler vorgestellt werden. Wären da nicht ein paar ab und zu eingestreute Thriller- und Mafia-Versatzstücke (wenn Xandra mit den Besitzern des Escort-Services hadert, die diesen nur als Geldwäsche-Geschäft nutzen, oder ihrerseits ein paar Mafiosi gegen die intrigante Mutter einsetzt), ginge das Ganze als Daily Soap durch, die jeden männlichen Zuschauer spätestens ab der dritten Folge zum Abschalten nötigt.

Inwiefern die "Mädels der Xandra Keizer" (so die sinngemäße Übersetzung des Titels) jedoch das Zielpublikum überzeugen, liegt vermutlich daran, ob und wie diese die dominante Hauptdarstellerin annehmen. Was den Realitätsbezug betrifft, so sind einige Begebenheiten schlichtweg an den Haaren herbeigezogen und nur der üblichen TV-Dramatik geschuldet. Beispielsweise die Drogendealerin Sylvia Keizer, Xandra böse Mutter, die mit dem alten Luden Willem in einem großen Haus wohnt, einen jungen arabischen Fahrer beschäftigt und sonst über keinerlei Bodyguards verfügt - woher kommt ihre noch immer vorhandene Macht? Auch wird kein Wort darüber verloren, wer Xandras Vater ist (oder war) oder wer der leibliche Vater ihrer Tochter Lulu (die ihr nicht sonderlich ähnlich sieht) ist (oder war).
Mir persönlich fiel besonders auf, wie wenig die Thematik des sich prostituierens behandelt wird - dabei ist der Entschluß, seinen Körper (zumindest temporär) für Geld zu verkaufen, doch ein ganz entscheidender Faktor für diese Tätigkeit. Zu den Escort-Mädels gehört auch Anne, die unbedingt eine eigene Kleiderkollektion auf den Markt bringen will und der das Geld dafür fehlt. Sie kämpft wirklich mit dem Entschluß, ringt sich dann aber - ermutigt durch die hier kühl kalkulierende Xandra - dennoch dazu durch, zu einem reichen Kunden aufs Zimmer zu gehen. Später macht es ihr sogar Spaß und sie trennt sich deswegen von ihrem gleichaltrigen Freund, der - wie auch Xandras Ehemann Michiel - eher ein Softie ist, der sich nicht durchsetzen kann. Überhaupt wird diese Form der Edel-Prostitution (bei der selbstverständlich nie irgendetwas Explizites gezeigt wird) eher wie eine Mutprobe abgehandelt - im Falle der blonden Janna, die sich immer mal in den einen oder anderen Kunden verliebt, weil sie noch ihren Märchenprinzen sucht, nimmt dies schon lachhafte Züge an.
Fazit: Nach unspektakulärem Beginn insgesamt nur leidlich unterhaltsam, gestalten sich einzelne Passagen der auch unter dem einfallslosen Titel Women of the night vermarkteten Serie durchwegs zäh, bevor am Ende selbstverständlich ein Happy-End steht, die Bösen zur Strecke gebracht sind und sich (fast) alles in Wohlgefalen auflöst. 5 Punkte.

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