Vor einigen Jahrzehnten hätten die Hollywood-Ikonen Clint Eastwood und Mel Gibson gemeinsam in einem Kriegsfilm (vorzugsweise Vietnamkrieg) performen können, nun richten es ihre Sprösslinge Scott Eastwood und Milo Gibson. Die jeweilige Ähnlichkeit ist unverkennbar, allerdings liefern ihre Figuren wenig Identifikationspotenzial.
Im Norden Afghanistans, nahe Kandesh im Jahr 2006: Der US-amerikanische Außenposten PRT Keating befindet sich im Tal, umgeben von Serpentinen und bietet ein vermeintlich leichtes Ziel für regelmäßig angreifende Taliban. Während die Militärs mit den Einheimischen zu verhandeln suchen, wächst die Gefahr durch einen Großangriff…
Selbst einem Laien fällt die strategisch dumme Lage des Postens auf, welche einem Hexenkessel gleicht, denn die Truppe, bestehend aus 54 Soldaten, ist zu jeder Zeit von allen Seiten angreifbar, was handlungstechnisch nach bereits sechs Minuten untermauert wird. Obgleich es in der ersten Stunde vergleichsweise ruhig zugeht und viele Routinen veranschaulicht werden, wird ein Gefühl permanenter Anspannung vermittelt.
In diverse Kapitel mit Namen des jeweils Ranghöchsten unterteilt, werden anfangs recht viele Figurennamen eingeblendet, die kaum eine genaue Zuordnung zulassen. Zumal es im Verlauf einige unerwartet früh erwischt, während andere stärker in den Vordergrund rücken. Immerhin widmet man sich zwischendurch dem Zwischenmenschlichen, doch eine engere Bindung wird zu kaum jemandem aufgebaut.
Mit der zweiten Stunde gerät schließlich der Großangriff in den Fokus und folgerichtig dominiert die Action. Hier wird eine Menge Staub durch Detonationen aufgewirbelt, allzu blutig und explizit fällt das Treiben hingegen nicht aus. Positiv ist die gute Kamera zu erwähnen, die meist sehr nah am Geschehen ist, eine ordentliche Dynamik erzeugt und glücklicherweise nicht häufig wackelige Bilder liefert. Der Score hält sich während der Gefechte auffallend zurück und wird eher in ruhigeren Momenten eingesetzt, wodurch sich die wuchtige Sounduntermalung gut entfalten kann.
Auf darstellerischer Seite wird erst gegen End-Credits erwähnt, dass sich einige Soldaten selbst spielten, was durchaus risikobehaftet ist, aber löblicherweise nicht auffällt. Neben den erwähnten Hollywood-Sprösslingen liefert Orlando Bloom eine solide Leistung ab, Caleb Landry Jones darf einige Facetten mehr präsentieren und überzeugt in manchen Momenten mit einem intensiven Spiel.
Der zweifelhafte Sinn einiger Militäroperationen tritt im Verlauf immer stärker in den Vordergrund, spätestens als man mitten drin landet und sich im Dauerfeuer befindet. Die erste Stunde zieht sich mit minimalen Längen, die zweite Hälfte lässt indes kaum eine Verschnaufpause zu, wobei Pathos eine eher untergeordnete Rolle spielt und nichts unnötig verschnörkelt wird. Genrefans können da durchaus mal reinschauen.
7 von 10