Review

OEDIPUS ORCA beginnt, wo LA ORCA geendet hat.
Alice wird nach ihrer Entführung von der Polizei nach hause gebracht. Nicht nur ihre Mutter ist – natürlich – überglücklich. Verständlich ist ebenfalls, dass Alice die furchtbaren Geschehnisse nicht einfach vergessen kann...

Mich erstaunt es doch immer wieder einmal, was einige italienische Regisseure wie Renato Polselli, Aristide Massaccesi oder Bruno Mattei in den 70er-Jahren zwischendurch in ihren Filmen gezeigt haben...

Auch OEDIPUS ORCA ist ein typisches Beispiel dafür, dass man den (bereits kontroversen) Vorgänger in mancherlei Hinsicht noch "übertreffen" wollte.
Und so hat sich Regisseur Eriprando Visconti (und/oder der Produzent) dazu entschlossen, alle Voyeure mit noch mehr nackter Haut zu beglücken, den Mondo-Fans blutige Tiertötungen aus einem echten Schlachthaus zu zeigen oder, seufz, auch allen Päderasten ein sehr junges Mädchen zu präsentieren, welches splitternackt vor einem Spiegel steht...

Auch das Thema Inzest wird angeschnitten:
Ja, wenn zum Beispiel die recht junge Hauptdarstellerin Rena Niehaus ein Bad nimmt, schaut ihr schon mal die ganze Familie dabei zu (und es hätte kaum überrascht, wenn gleich alle mit in die Badewanne gestiegen wären...).

Erstaunlich, dass die Zoophilie "vergessen" wurde...

Erwin C. Dietrich kaufte den Film ein und veröffentlichte ihn in der Schweiz und in Deutschland als WILDE FRÜCHTE. Die beiden Videoausgaben werden hier in der OFDb (zurzeit) als ungekürzt angegeben. Dies kann mit Sicherheit nicht stimmen. Undenkbar, dass Dietrich einen "seiner" Erotikfilme mit solch blutigen Aufnahmen aus einem Schlachthaus veröffentlicht hätte...

Ein bekannteres Beispiel ist "Emanuelle e Françoise le sorelline", der ebenfalls 1976 in Italien gedreht wurde. Dietrich "bastelte" damals aus dem Film von Joe D'Amato ein fast komplett neues Filmchen – und veröffentlichte ihn dann als FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT und DIE LADY MIT DER PUSSY CAT...

Ja, dass ich OEDIPUS ORCA mit dem Punkteminimum bewerte, hat hauptsächlich mit einer der erwähnten Einzelszenen zu tun.

Viel mehr Punkte hätte ich aber auch sonst keinesfalls vergeben. Ich kenne doch einige vergleichbare Filme, denen es tatsächlich gelungen ist, die Genres Erotik/Sexploitation und Drama auf eine gelungene Art zu vereinen.
OEDIPUS ORCA wirkt jedoch nicht selten wie ein (rasch realisiertes) "Flickwerk".

Erwähnen möchte ich trotzdem, dass OEDIPUS ORCA zumindest in der italienischen Originalfassung einige wenige gelungene Filmpassagen bietet:
Wenn Alice mit ihrem Freund zum Beispiel einmal an den Ort zurückkehrt, wo sie vor kurzer Zeit so viele Qualen erleiden musste, folgt eine Filmsequenz, die optisch und akustisch sehr interessant umgesetzt wurde.

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