Ein Rattenweibchen kann über das Jahr verteilt bis zu 100 Junge bekommen. Allein in New York leben neunmal mehr Ratten als Menschen. Folglich wird der Nager wohl nie zur aussterbenden Rasse zählen. Und wer will schon einen Tierhorrorfilm über angriffslustige Giraffen sehen? – Nein, schön altmodisch geht es zu in dieser TV-Produktion, wenn Tausende von Ratten einen New Yorker Stadtteil unsicher machen.
Alles beginnt im Edelkaufhaus Garsons: Eine Kundin wird am Finger verletzt, hält die Ursache für einen Nagel, bis sie am nächsten Tag mit einer schweren Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wird. Susan (Mädchen Amick), die Sicherheitsbeauftragte des Kaufhauses, findet heraus, dass die Verletzung durch den Biss einer Ratte hervorgerufen wurde und setzt sich mit dem Ungezieferspezialisten Jack (Vincent Spano) in Verbindung. Dieser stellt schnell fest, dass sich eine genmanipulierte, äußerst aggressive Rattenkolonie in den Schächten Manhattans ausgebreitet hat.
Ohne Klischees funktioniert so ein Nagertreiben natürlich nicht: Mädchen Amick ist wie immer knuffig und gibt die toughe Geschäftsfrau mit viel Courage. An ihrer Seite ein Vincent Spano, der teils charmant, teils zynisch, eine solide Leistung abliefert. – Und natürlich bleibt die obligatorische Love Story nicht aus und Töchterchen Amy findet den neuen Stecher von Mutti auch gleich knorke…
Menschen in gehobenen Positionen wollen von der Rattenplage natürlich nichts wissen, weder die Chefin des Edelkaufhauses, noch der Big Boss der Gesundheitsbehörde.
Diese hat zudem grob fahrlässig gehandelt, da die Ratten nach der Stilllegung eines Versuchslabors in den Untergrund gelangen konnten…
Egal, das macht den klassischen Tierhorrorfilm ja so charmant doof.
Leider fehlt diesem Film aber auch etwas, worauf der Zuschauer primär wartet: Angriffe auf Menschen!
Es gibt insgesamt nur zwei Todesopfer zu beklagen, etwas wenig für eine Masse von schätzungsweise 750000 angriffslustigen Ratten. Etwas ärgerlich wird es sogar, wenn jemand während des Showdowns in ein Meer von Ratten fällt, der Körper unter ihnen komplett verschwindet und der Mensch trotzdem fast ohne einen Kratzer befreit werden kann.
Angriffe auf die Besucher eines Schwimmbades oder auf Passagiere einer U-Bahn sind zwar spannend und auch fx-technisch sauber in Szene gesetzt, doch diese temporeichen Szenen finden sich leider viel zu selten. Während Jack, Susan und ein paar Freunde immer wieder in unterirdischen Schächten irgendwelchen Spuren oder Theorien nachgehen, kommen direkte Rattenangriffe zu selten, solche Momente, als Töchterchen Amy eine Ratte im Klo entdeckt, hätte ich mir mehr gewünscht: Die Mutation, die unseren Alltag bedroht.
Immerhin hat man sich mit den Ratten redlich Mühe gegeben: Sauber im Bild festgehalten – und zwar größtenteils echte Tiere. Nur während des Showdowns wurden es zu viele Viecher, so dass der Programmierer ran musste. Wirkt zwar unrealistisch, bringt aber eine Menge Spaß.
Dramaturgisch ist die Geschichte nicht allzu ausgereift, wenig Action und ein schneller Showdown. Viele huschende Ratten – leider selten in der Nähe von Menschen.
Aber immerhin lernt man etwas über die Nager, denn ich wusste zuvor nicht, dass Rattenpippi durch UV-Licht sichtbar wird…
Wenn man einen der zahlreichen Rattenromane von James Herbert gelesen hat, wird man zunächst einen großen Bogen um die Nager machen. Nach diesem Film wächst jedoch der Wunsch, sich eine niedliche, zahme Hausratte zuzulegen.
Zwar teilweise spannend, meistens unterhaltsam, aber das Kontingent an Thrill nur ansatzweise ausgeschöpft.
6 von 10 Punkten