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Das spanische Baskenland zur Gegenwart: Der vom Unfall-Tod seiner schwangeren Frau noch traumatisierte Polizist Unai López de Ayala (Javier Rey) kehrt in den Dienst nach Vitoria-Gasteiz zurück, just zu dem Zeitpunkt, als ein Ritualmord an einem jungen Paar die Öffentlichkeit aufschreckt. Einen Ritualmord, wie es ihn schon vor zwei Jahrzehnten mehrfach gegeben hat und für den der seinerzeit dafür verurteilte Täter Tasio (Alex Brendemühl) immer noch im Gefängnis sitzt. Doch dieser Tasio soll bald entlassen werden, und für Unai, seine junge Kollegin Estíbaliz Ruiz de Gauna (Aura Garrido) und die neue Chefin Alba Díaz de Salvatierra (Belén Rueda) stellt sich nun die Frage, ob der noch Inhaftierte, der stets seine Unschuld betont hatte, seine Mordserie eventuell fortsetzen will oder ob irgendein Trittbrettfahrer hinter dem aktuellen Fall steckt...

Eine an sich erfolgversprechend dramatische Ausgangslage in der spanischen Produktion The Silence of the White City, aus der das Drehbuch jedoch leider viel zu wenig macht, um die anfängliche Spannung über die Hintergründe der sorgfältig durchgeführten Ritualmorde à la Hannibal Lecter und Konsorten aufrecht zu erhalten. Dies beginnt schon mit der Auswahl der Darsteller und Charaktäre, denn der bärtige Unai, der stets mit schwarzer Lederjacke auftritt, scheint als leitender Ermittler der komplizierten Geschichte nicht immer gewachsen, zumal er gravierende eigene Probleme in Form von Traumata mit sich herumschleppt; die neue Kommissarin Alba lernt er nachts beim Joggen in der Stadt kennen, noch bevor sich herausstellt, daß beide künftig beruflich miteinander zu tun haben werden; die junge Ermittlerin Estíbaliz hat schon deswegen einen schweren Stand, da sie sich offensichtlich zu sehr um ihren drogenabhängigen Bruder kümmert.

Während man diesen drei Hauptdarstellern also nicht allzuviel zutrauen will, zumal sich deren Ermittlungen als zunächst nicht zielführend herausstellen, besteht der Kardinalfehler des Drehbuchs jedoch darin, schon nach knapp einer halben Stunde den wahren Urheber des aktuellen Ritualmordes aufzudecken. Dieser ist - soviel darf ohne allzuviel spoilern verraten werden - für die Protagonisten kein Unbekannter, und gleichzeitig der mit Abstand langweiligste Charakter des ganzen Films. Während also die beiden jungen Ermittler auf Spurensuche sind und keinen blassen Schimmer haben, wen sie eigentlich verfolgen, hat ihnen der Zuschauer dieses Wissen stets voraus, was die Spannungskurve gegen Null tendieren läßt. Allenfalls das bis dato unklare Motiv des Täters, das sich auf verschlungenen Wegen erst langsam herauskristallisiert, bewahrt den mäßigen Thriller vor dem vorzeitigen Abschalten.

Somit bleibt eigentlich nur eine kreative Idee, nämlich die des Ritualmordes an sich, zu verbuchen, in der junge Menschen bestimmten Alters mit Bienengift zu Tode kommen - doch dieses einfallsreiche Motiv, das schon zu Beginn gezeigt wird, wiederholt sich ohne Variationen, wodurch es seine anfängliche Faszination merklich verliert. Das um dieses - auch bildlich - interessante Motiv herumgezimmerte Szenario mit den wenig überzeugenden Ermittlern kann dessen Potential jedoch nie ausschöpfen. 3,51 Punkte.

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