Review

Staffel 1

Ein unbeleuchteter Bus im nächtlichen Regen, dessen Fahrer gerade einsteigt und losfährt, bildet den Rahmen für eine kleine Sammlung norwegischer Horror-Kurzgeschichten. Deren wichtigste Protagonisten zählen zu den Fahrgästen des Busses und werden kurz im fahlen Mondlicht beleuchtet, bevor sie dann in ihren jeweiligen Stories auftreten. Ein halbes Dutzend dieser jeweils knapp unter einer halben Stunde laufenden Geschichten machen die als Blutiger Trip bezeichnete Anthologie aus - in chronologischer Reihenfolge sind dies:

Opferbereitschaft
Nach erlittenem finanziellen Schiffbruch siedelt eine Familie aus der Großstadt aufs Land, wo das Wohnen und Leben billiger scheint. Überaus freundliche Nachbarn in erstaunlich großer Zahl helfen wie selbstverständlich bei der Renovierung des baufälligen Hauses mit, wobei jeder von ihnen ein Haustier mit sich führt. Die Mutter kommt bald drauf, daß mit diesen Nachbarn etwas nicht stimmt. Leider läßt sie die Warnung, daß die Gier den Charakter verdirbt, völlig außer Acht...

Drei kranke Brüder
Gerade nach mehrjährigem Aufenthalt aus der Klapse entlassen, sucht ein junger Mann nichts als Ruhe und Erholung. Doch urplötzlich tauchen seine beiden Brüder auf, die das Wiedersehen entsprechend feiern wollen und sich über dessen Ruhebedürfnis einfach hinwegsetzen. Schließlich läßt er sich breitschlagen, mit den beiden zu einer Waldhütte zu fahren, und nachdem sie unterwegs noch ein Mädel aufgegabelt haben, steht der kleinen Party nichts mehr im Wege. Doch dann kommt es zu einem Gewaltausbruch...

Schlechter Autor
Eine junge Blondine aus wohlsituiertem Elternhaus wohnt in einer Fünfer-WG, von wo aus sie einen Kurs für Nachwuchsautoren besucht. Dabei erfährt man, daß die bisher so rosige Welt der Porschefahrerin doch nicht so heil ist, denn die Mitbewohner wollen ihr Übles antun. Als dann die Manuskripte der Amateurschreiber auch noch im selben Moment Realität werden, in denen sie getippt werden, wird die von lauter Unsympathen gespielte Geschichte reichlich konfus. Die bislang schwächste Folge der Anthologie.

Rattenfalle

Eine Pharmafirma feiert im kleinen Kreis ihre neue, bald den Markt beherrschende Erfindung, wozu der Boss vor versammelter Mannschaft zum Nachtisch den Prototypen präsentieren will - doch der Safe ist leer. Irgendjemand von den Gästen muß ihn gestohlen haben, und das will der Chef genau klären, wozu er alle Anwesenden peinlichen Fragen und Verhören unterzieht. Als das keinen Erfolg zeitigt, greift er zu drastischeren Methoden...
Von der Idee her in Ordnung, leider von derart unsympathischen Charaktären dargeboten, daß man allen Beteiligten einen schnellen Tod wünscht.

Die alte Schule
Die am ehesten einer klassischen Horrorstory gerecht werdende Episode beschäftigt sich mit einer junger afro-norwegischen Lehrerin, die neu an einer ländlichen Schule arbeitet. Alles läuft gut, bis sie nach Unterrichtsschluß Stimmen hört, obwohl niemand mehr da zu sein scheint. Mit Hilfe ihrer Vermieterin erkundet sie ein schreckliches Geheimnis aus der Vergangenheit der Schule...
Sehr vorhersehbar und mit typischen Gruselelementen ausgestattet hat man den Plot der alten Schule zwar schon gefühlt 1000mal gesehen, doch ist es für den geneigten Horrorfan immer wieder schön, auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln.

Scheuklappen
Die letzte Kurzgeschichte handelt von einer Firmenfeier mit Kostümzwang. Nach merkwürdiger Rede durch deren Leiter ("Wir wollten Rang 17 belegen, doch wir wurden 22." - wtf?) stehen zwei neue Kollegen - ein Mann und eine Frau - im Fokus, die ohne irgendeinen plausiblen Grund als Neulinge(!) in der Vergangenheit der Firma herumschnüffeln, speziell zum Selbstmord (oder Unfall) einer ehemaligen Mitarbeiterin, die sie noch dazu gar nicht gekannt hatten - wtf??
Diese letzte Story ist nicht nur kompletter Schwachsinn, sondern verfügt im Gegensatz zu den vorhergegangenen Erzählungen nicht einmal über ein simples, tragfähiges Grundgerüst, was es mit den als Mäusen, Elefanten und Katzen verkleideten Kasperln überhaupt auf sich hat. Diesen hanebüchenen Mist am Schluß zu bringen, ist sicher keine gute Entscheidung der Regie.

Fazit: eine insgesamt durchwachsene Anthologie mit zwei annehmbaren (1 und 2), zwei durchschnittlichen (4 und 5) und einer schwachen (3) Story sowie einem Totalausfall zum Schluß (6). Wohin der alte Bus in der Nacht noch fährt, erfährt man allerdings nicht mehr, ebensowenig ob diese bildtechnisch übrigens tadellos abgedrehte Kurzgeschichten-Sammlung noch eine Fortsetzung erfährt. 5,51 Punkte.

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