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Gewiss war und ist die #MeToo-Bewegung eine längst überfällige Initiative, die mittlerweile auch Einzug im Bereich des Düsterfilms gehalten hat. Autorin und Regisseurin Shana Feste geht mit ihrem Horror-Thriller jedoch wenig subtil vor, denn nach einem verhältnismäßig realitätsnahen Einstieg driftet der Stoff in recht absurde Gefilde ab.

Cherie (Ella Balinska) ist allein erziehende Rechtsanwaltsgehilfin und wird von ihrem Chef zu einem Geschäftsessen mit dem reichen Unternehmer Ethan (Pilou Asbæk) beordert. Das Treffen verläuft zunächst angenehm, doch nach einem letzten Drink in seiner Villa offenbart Ethan sein wahres Gesicht. Blutend gelingt Cherie die Flucht, sie landet kurzfristig hinter Gittern und wird von Ethan „ausgelöst“, der ihr ein tödliches Spiel bis zum Morgengrauen anbietet, sofern sie überleben will…

Die Geschichte streut direkt einige sexistische Momente ein, welche als Vorstufe oder auch Ausläufer des allgegenwärtigen Patriarchats stehen sollen: Ein Kollege vergreift sich im Ton, ein schmieriger Typ im Bus an Cheries Körper und obgleich ihre Babysitterin optimistisch gestimmt ist, packt sie ihrer Freundin für das Date vorsichtshalber ein Pfefferspray in die Handtasche. Von dem gewalttätigen Übergriff sieht man zwar nichts, doch viel schwerer wiegt die anschließende Haltung der Polizei, die Cherie wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit einbuchtet.

Was anfangs als Menschenjagd ausgelegt ist, entfaltet sich aufgrund einiger Anlaufstationen jedoch ein wenig anders. Denn die Bedrohung Ethans taucht nur sporadisch auf, es findet kaum eine Hatz statt und im Verlauf entpuppt sich der Gegner als deutlich mächtiger als zunächst angenommen, weshalb seine Überlegenheit einiges an Spannung raubt. Immerhin wird durch diverse Schauplätze Abwechslung geschaffen, obgleich der Gang von den Geheimtüren einer Kirche direkt in einen Underground-Club nicht allzu glaubwürdig ausfällt.

Mit jener Glaubwürdigkeit ist es überdies nicht weit her, denn es gesellen sich zunehmend übernatürliche Aspekte hinzu, die teilweise recht willkürlich anmuten und gegen Finale nur leidlich durchleuchtet werden. Das Durchbrechen der vierten Wand mit direktem Blick in die Kamera wirkt in jenen Momenten ebenso unbeholfen wie das bewusste Ausblenden einiger potenzieller Gewalteinlagen, denn bis auf eine spontan anmutende Enthauptung ist für Splatterfreunde nichts mitzunehmen. Blut fließt eher, weil Cherie ihre Mens hat und aus unerfindlichen Gründen scheinbar nirgends ein Tampon herzubekommen ist.

Immerhin spielt Balinska ihre Rolle recht überzeugend, obgleich ihr das Drehbuch zum Finale einige Hindernisse in Sachen Glaubwürdigkeit in den Weg legt. Der Däne Asbæk hat es da deutlich einfacher, denn mehr als latente, garstige Überheblichkeit muss er nicht verkörpern.
Die übrigen Mimen performen zweckdienlich, was ebenfalls für den Score gilt, von dem allerdings nichts weiter hängen bleibt.

Letztlich macht Shana Fest mit der Holzhammermethode auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam, vielleicht wollte sie aber auch nur einen feministisch angehauchten Thriller abliefern, der sich davor scheut, die Entität genauer zu definieren. Über weite Teile fällt das Genrekonglomerat zwar einigermaßen unterhaltsam aus, doch wirklich ernst nehmen kann man das Teil ab der zweiten Filmhälfte nicht mehr und um es zu feiern, mangelt es schlicht an Schauwerten.
5,5 von 10

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