Wieder einer der Filme, die zu jener Zeit "Obacht!" - Rufe von Kino - und Videofreaks nach sich zogen: entgegen seines Titels ist "The Riffs III - Die Ratten von Manhatten" kein Teil irgendeiner Trilogie, erst recht nicht um den kultigen Biker Trash und seine fröhlichen Bronxrocker. Die Ratten von Manhatten sind genau das - Ratten. Die deutsche Synchronfassung wirbt mit einem halbwegs etablierten Filmfranchise, falls man eines, dass aus nur 2 Teilen besteht ein solches nennen kann und bleibnt auch bei der Benennung der hier agierenden Gang beim selben Namen, aber auf alte Bekannte stoßen wir hier leider nicht. Schade. Das hätte den Film locker nochmal aufgewertet. Aber auch so hat man hier solides, wenn auch mediochres Filmvergnügen zu erwarten.
2015 ist das Jahr der Ratte: Ihr Erzfeind, der Homo sapiens, hat sich in anhaltenden Atomkriegen auf ein annehmbares Maß zurückgebombt und die putzigen kleinen Nager können nun endlich die Verbannung der Kanalisationen und Abfallkübel hinter sich lassen und ein würdevolles Leben in Freiheit führen. EInes Tages kriechen nach Jahrunderten des Bunkerexils die ersten Menschen hervor, die nüber das Rattenparadies herfallen, Lebensmittel und Trinkwasser verschwendend und vögelnd wie die Karnickel. Klar, dass die neuen Herren der Zivilisation sich das nicht bieten lassen und ihr Volk vor der Ausrottung beschützen wollen, aber die Gegner sind schlauer als zu Beginn angenommen. Nach einer durchmetzelten Nacht kommt die genetische Pattsituation, ein evolutionärer Kompromiss, wenn man so will, bahnt sich am Ende an.
Na gut, das Täter - Opfer - Verhältnis ist eigentlich ein ganz anderes, aber so wie sich die motorisierten Marodeure mit lustigen Namen wie Duke, Taurus oder Video verhalten kann man sich schon die Frage stellen, wer hier das eigentliche Ungeziefer ist, zumal die Ratten im Film komplett passiv agieren, wenn man sie nicht gerade provoziert. Eigentlich nicht mal dann: damit es auf menschlicher Seite zu Opfern kommt muss man diejenigen, die ins Gras beißen sollen schon off - camera mit Eimern voller Nager übergießen oder - ebenfalls off camera - auf Erzählkniffe wie Ratten im Schlafsack einer Dame zurückgreifen, welche sich von unten nach oben durchfressen. Ein Glück, dass uns hier ein explizites "Show, don't tell!" erspart bleibt. Und dennoch schlottert die Gurkentruppe ob der vermeidlichen Bedrohung mit den Zähnen, dreht durch oder nimmt sich in einem Fall lieber gleich selbst das Leben, statt bei vollem Bewusstsein zerfleischt zu werden. Dabei tun die Tiere nichts anderes als schnuppern, krabbeln, ihrer Neugier nachgehen.
Die Menschen hingegen haben nichts besseres zu tun, als die neu errungenen Vorräte dekadent durch die Wallachei zu schmeißen und ihre vierbeinigen Mitbewohner wie leere Bierdosen durch die Gegend zu kicken. Mich jedenfalls wundert nicht, dass die Typen aus ihrem heimischen Bunker geschmissen wurden.
Was mich allerdings wundert ist, dass die Damen und Herren, die sich hier als Raider versuchen, dafür, dass sie eine kräftezehrende lange Reise hinter sich haben, äußerst vital, wohlgenährt und hygienisch einwandfrei aussehen. Vor allem bei dem weiblichen Teil der Überlebenden fällt auf, dass in der Vault scheinbar nie ein Mangel an Seife, Make up und vor allem Haarspray bestand. Vor allem Gueretta Gueretta, ihres Zeichens eine kleine Genreikone des Italokinos (bekannt aus Demons, Contaminator, Murder Rock und einigen anderen tollen Filmen) darf hier mit ihrer Friese alle anderen in den Schatten stellen. Apropos kleine Genreikone: Ottaviano Dell'Acqua, der wurmäugige Conqistadorenzombie auf Fulcis "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies" darf hier einen der Rocker mimen. Für mich ein Verkaufsargument!
Zwei Dinge stören das Filmvergnügen dann doch recht massiv. zum einen inszenieren die Herren Mattei und Fragasso (hier Vincent Dawn und Clyde Anderson genannt) das gemeinsam verfasste Skript recht tranfunzelig und zum anderen fliegen, wenn es denn mal spannend wird, unschuldige Ratten links und rechts durch den Bildkader, dass man aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus kommt. Zugegeben, Cannibal Holocaust - Niveau erreicht der fragwürdige Tiereinsatz nicht, aber es verwundert doch, wo da damals der zu erwartende Aufschrei blieb.
Der Film mit einem der schönsten Graborgelscores in der Geschichte des Endzeitkinos hat dennoch einige originelle Ideen zu bieten: Ratten, die einen ausgehöhlten Körper steuern, scheinbar bewusst das Trinkwasserreservoir der Gruppe kontaminieren (auch '
n schöner Mattei übrigens) und in einer blutigen Ratzplosion sowie der legendäre Hordenangriff, bei dem der Aufmarsch von "Millionen von Ratten!" (O-Ton Film) durch einen im Schatten gefilmten Walzenmechanismus simuliert wird, der eher an eine moderne Brotschneidemaschine erinnert.
Bonus für Synchronnerds: der großartige deutsche Sprechercast! Ulrich Griesseker, die spätere Christopher Lambert - Stammstimme darf den notgeilen Suffkopp Luzifer einpöbeln, Michael Brennicke und Joachim Pukaß geben coole Sprüche dazu, der markige Ronald Nitschke darf als Deus ungewohnt verklärt umherschwurbeln. Ein kurz zu hörendes Highlight ist Edgar Ott in der Rolle eines sterbenden Wissenschaftlers, der die letzten Momente seines Lebens vor seinem Rattentod in einer Tonaufnahme verewigen darf. Besonders amüsant, wenn das eigene Kopfkino das ganze mit Bildern des infantilen Dickhäuters Benjamin Blümchen untermalt.
Ich bin kein Riesenfan des Filmes, sehe aber dessen Vorzüge. Alle paar Jahre tauche ich gerne in das rattenverseuchte, postapokalyptische Manhatten ab und genieße das Chaos, dass sich vor mir ausbreitet. Aber danach reichts auch erst mal für einige Zeit. Man muss sich ja nicht gleich überfressen.