Review

7/10


Zerozerozero (2020)

Neuer
TV-Mehrteiler aus Italien von Stefano Sollima und anderen, produziert
von Canal+ und Sky nach einem Roman von Roberto Saviano. In den 8
Teilen, zusammen 440 Minuten lang, wird die Geschichte eines
Kokaintransports von Mexico über den Atlantik und durch Afrika nach
Kalabrien in Italia gezeigt.

Ein
alter Mafiaboss bestellt in Mexiko 5 Tonnen Kokain um seine fragile
Position in der kalabrischen Mafia zu festigen und seinen
Untergebenen eine Verdienstmöglichkeit zu verschaffen. Dies wird von
seinem Neffen und anderen hintertrieben welche den Transport
sabotieren. Der Transport wird von einem amerikanischen Reeder
durchgeführt, bzw. nach dessen raschem Tod von dessen (erwachsenen)
Kindern.Während dem komplexen Transport gehen die Machtkämpfe
sowohl in Italien, aber auch in Mexiko weiter, wo am Ende der
Kokaingroßhändler der die 5 Tonnen auf den Weg brachte schon nicht
mehr an der Macht seines Kartells ist wenn sie ankommen, und wo dann
sein Nachfolger welcher das Kartell mit seiner Militäreinheit
übernommen hat kassiert.
Die
Geschichte wird mit großem Aufwand erzählt, gedreht wurde auf 3
Kontinenten und auf dem Kontainerschiff mitten auf dem Atlantik. Da
war dann ganz klar der Schwerpunkt der Produktion auf den Lokations,
der Ausstattung, der teuren Drehlogistik und nicht auf den
Schauspielern. Gabriel Byrne, der einzige Star hat einen besseren
Cameoauftritt als Reeder, welcher gleich beim Auftakttreffen in
Mexico ermordet wird. Die anderen Darsteller sind alle nicht
schlecht, sind ihren Rollen gewachsen, brillante Schauspielkunst
sieht man gleichfalls nirgends. Interessant und durchaus originell
sind Kamera und Montage, hier findet man dann die Brillianz die man
bei den Darstellern vermisst. Diverse Schlüsselszenen des
Mehrteilers werden aus 2 Blickwinkeln und von 2 Figuren erzählt,
d.h. an einem entscheidenden Punkt hält man an und fährt zurück
und erzählt die Geschichte erneut aus der Sicht einer 2. Figur.
Daran muss man sich als Zuschauer gewöhnen, diese Erzählweise ist
aber ein großes Plus von 'Zerozerozero'. In der Mitte des Werkes
schweift man dann auch manchmal etwas ab und aus dem Drogenkrimi wird
ein 'Durch das wilde Kurdistan' sprich ein Abenteuerfilm, aber das
steht einem TV-Mehrteiler ja durchaus an und ich finde die
Afrikaszenen auch wenn hier eben ein anderes Genre dazukommt,
reizvoll und ein weiteres Plus des Films.

Das
Ende dann ist leider zu gerafft, in den letzten 20 Minuten der 8.
Folge werden die ganzen Konflikte - gewaltsam - gelöst und der
Mexiko-Handlungsstrang ins Gesamtgefüge eingefügt, das ist zu viel
in zu kurzer Zeit. Man hätte besser auf die etwas schräge
Liebesgeschichte in Casablanca verzichtet, welche anscheinend den Tod
des Reedersohnes vorbereiten bzw. leichter verdaulich machen soll,
eine m.E. unsinnige Idee, diese 10 Minuten hätte man besser ins
Finale gebracht um da v.a. die Abrechnung mit den Mafiaaufständigen
etwas ausführlicher und plausibler gestalten zu können. Das Finale
hat also gewisse Schwächen, auch wenn die szena ultima in
Monterrey, die Kleine inmitten der Leichen des alten Kartells, ein
Höhepunkt des Gesamtfilms ist.

At
all zeigt sich, dass das Ansehen welches Stefano Sollima bei mir hat
durchaus gerechtfertigt ist - ich habe mir sofort noch einen weiteren
von ihm bestellt: 'Suburra' einen römischen Politthriller.

Eines
noch: Mit 'Gomorrha' hat 'Zerozerozero' eher weniger zu tun, was mich
da störte, zuviel sozialkritisches Melodram, zuviel Hässlichkeit,
Verzweiflung und Depression, das alles gibt es im Mehrteiler gar
nicht, der orientiert sich eher an 'Sicario' und 'The counselor',
auch mit 'Traffic' (was man überall liest) hat er nur am Rande zu
tun.
Gutes
Teil, empfohlen!
(7/10)

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