Review
von Leimbacher-Mario
Riten, die Flügel stutzen
„Sitara“ (u.a. von Gucci in Pakistan produziert, verkehrte Welt…) erzählt von einem Mädchen, die schon immer eine Faszination für das Fliegen und Flugzeuge gespürt hat. Doch als ihr Vater sie traditionell mit einem viel älteren Mann zwangsverheiratet, scheint ihr Traum zu verfliegen…
Muss ein Film wirklich Lösungen oder zumindest Lösungsansätze zu seinem Thema bieten? Oder reicht manchmal auch ein reiner Hinweis, dass es sein Topic (noch) gibt und was es anrichtet? Den Gefühlen nach zu beurteilen muss ich für mich nach „Sitara“ deutlich zu Letzterem tendieren. Denn wie hier einer jungen Frau der Traum vom Fliegen und der unendlich kostbaren Selbstverwirklichung genommen wird, fast schon beiläufig und unaufhaltsam, ohne möglichen Gegenwind und mit recht wenig Umdenken beim Vater auch danach noch, lässt einen schon reichlich ans Grübeln, Kopfschütteln und Trauern kommen. Optisch kann der Kurzfilm es vielleicht nicht mit den Messlatten in seinem Genre aufnehmen, trotz Exotikbonus des Settings. Doch Aussage und Kritik sitzen. Ich bezweifle nur arg, dass sie die richtigen Zuschauer und Adressaten finden…
Fazit: sieht zwar weniger hübsch aus als Disney, Ghibli und Pixar, aber beschäftigt sich herzlich, aufrichtig und sogar etwas zauberhaft mit schwerwiegenden, nicht sehr menschlichen oder zeitgemäßen Themen und Traditionen vieler muslimischer Gesellschaften. Starker, mutiger und gänzlich sprachloser Kurzfilm!