Ein altes, verlassenes Haus mit verrammelten Fensterläden in Turin dient als Kulisse der italienischen Produktion Blood Bags - in jenem nämlich vermuten zwei Einbrecher noch einige Wertgegenstände. Sie müssen jedoch schnell feststellen, daß sie dort nicht allein sind, denn während Alex, der jüngere der beiden, sich oben umsieht, geht sein Kumpan in den Keller, wo er von einer missgestalteten Kreatur umgebracht wird. Zeitgleich bereiten sich zwei Austauschstudentinnen (die Russin Petra und die US-Amerikanerin Tracy) an der Turiner Uni auf ihre baldige Abreise vor - zuvor aber möchte Letztere noch einmal ihrem privaten Hobby, der Photographie, frönen und überredet ihre Mitstudentin, sie auf ihrer Suche nach architektonisch interessanten alten Häusern zu begleiten. Wie nicht anders zu erwarten, steigen die beiden Mädchen also in obenerwähntes verlassenes Haus ein, bemerken jedoch nicht, daß hinter ihnen jemand von außen abschließt. Nach kurzer Zeit taucht das Monster auf und krallt sich Petra, während Tracy ins Obergeschoß flüchten kann, wo sich der bisher unentdeckte Alex versteckt. Solchermaßen verbarrikadiert beratschlagen die beiden nun, was zu tun ist - oder können ihnen die beiden Carabinieri helfen, die Tracy im letzten Moment noch verständigen konnte, bevor das Monster ihr Handy zerstörte?
Mit sichtlich geringem Budget gedreht, weiß Blood Bags eine immerhin durchschnittliche Spannung aufzubauen - hierzu trägt auch das wenig möblierte Abbruchhaus bei, was für eine halbwegs düsteren Atmosphäre sorgt, wohingegen der Hinweis auf die spezielle Krankheit des Monsters (Morbus Günther, die es tatsächlich geben soll), welches frisches Blut zum Überleben benötigt, gleich am Anfang vorweggenommen wird. Da haben wir also zwei junge Leute im Obergeschoß und ein bluttrinkendes Monster unten, dazu einige wenige Helfer - und dann eine Polizeistreife, die das Gebäude nur von außen untersucht und zunächst nichts unternimmt. Dass sie dann doch mißtrauisch werden, liegt eher an einem verdächtigen Fahrzeug, welches in TV-Krimi-Manier überprüft wird und die beiden wiederkehren läßt.
Bezüglich der Bild- und Schnittechnik gibt es für einen Amateurstreifen wenig auszusetzen: die Perspektive des Monsters wird in unscharfem Schwarz-weiß gezeigt, wenn es langsam durchs Haus stapft, weil es Geräusche gehört hat und auch die eine oder andere Totale gibt dem Zuseher einen Überblick des Geschehens. Später wird dann noch eine Traumsequenz eingebunden, die etwas surrealistische Züge trägt und ein wenig an Dario Argentos vergangene Meisterwerke erinnert. Trotz des geringen Budgets hat man auch ein echtes Polizeifahrzeug und zugehörige Uniformträger aufgetrieben, und die blutigen Effekte sind immerhin handgemacht und ganz leidlich gelungen.
Abstriche muss man eher bei ein oder zwei logischen Abläufen machen: so scheint das Haus zwar verrammelt, aber in dem Raum im Obergeschoß scheint die helle Sonne durch die Fenster - hier erwarte ich mir, zumal von jungen Leuten, Fluchtversuche übers Dach, die jedoch vollkommen unterbleiben; auch das Verhalten der Polizisten ist nicht immer logisch (Stichwort: Verstärkung holen). Das fehlende Budget merkt man auch gegen Ende des Films, wenn das Monster öfter und deutlicher seine Visage in die Kamera hält: Dessen Schädel sieht eher nach einer fingerdick aufgetragenen Teigmasse aus, aus der die Äuglein lustig hervorblinzeln, was einer beabsichtigten Schockwirkung natürlich nicht besonders zuträglich ist. Immerhin nimmt der Film nicht das Ende, welches sich abzuzeichnen scheint - eine zwar konventionelle Story ohne Innovationen, für einen Horror-Flick auf gutem Indie-Niveau ist Blood Bags aber ganz ansehnlich geraten und durchaus einen Blick wert: 5 Punkte.