Review

Stein, Schwere, Papier

Peter Bogdanovichs „Paper Moon“ ist wahrscheinlich einer der besten Filme, von denen die meisten noch nie gehört haben. Unerhört unterschätzt und unbekannt. Dabei durchaus allgemein als meisterhafter Klassiker angesehen. Und dennoch redet kaum einer über ihn. Weil er zwischen ein paar Stühlen sitzt? Weil er sich nur schwer in Kategorien und Bestenlisten pressen lässt? Weil man ihm sein Jahrzehnt kaum ansieht? Weil er einen der komischsten Vater-Tochter-Roadtrips erzählt, der je auf Zelluloid gebannt wurde? Über einen Betrüger und „Bibelverkäufer“, der mit einer kleinen, cleveren Göre seine Meisterin und Partnerin findet, mit der er Hochstapeleien besser denn je durchziehen kann - zumindest bis die Scheisse wirklich am dampfen und das ungewöhnliche Duo in Bredouille ist…

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Vielleicht ist Bogdanovich nicht unbedingt einer der besten Regisseure aller Zeiten, aber Anfang der 70er stellte er mit „Is' Was Doc?“, „The Last Picture Show“ und eben diesem „Paper Moon“ einen 1-2-3-Punch auf die Beine, den erstmal jemand in der Filmhistorie überbieten muss. Was für ein Lauf! Und „Paper Moon“ ist der warmherzigste und schönste Film dieses unnachahmlichen Triplets. Getragen von den beiden O'Neals, deren Verwandtschaft und Chemie man absolut anmerkt. Besser geht’s kaum. Dazu ein scharfes Drehbuch, Jokes die Charme und Cleverness besitzen, eine elegante Schwarz-Weiß-Fotografie. Ich weiß nicht, was ich an „Paper Moon“ kritisieren sollte. Frech und mit dem gewissen Etwas. Ein mehr als erfolgreiches Familienprojekt. Auf den Spuren von De Sica und Chaplin - und selbst mit diesen Giganten kann „Paper Moon“ mithalten! 

Fazit: „Paper Moon“ ist ein komplett zeitloser und ziemlich genialer Klassiker mit vielen Ebenen, Grautönen und Facetten. Ein „Gangsterfilm“ wie kein zweiter. Eine „Vater-Tochter-Beziehung“ wie sonst nirgends. Ein Period Piece mit Textur und Raffinesse. Alles andere als depressiv. Porentief charmant. Cool und komisch. Mit einer der besten Kinderperformances ever. Wundervoller Bildsprache. „Paper Moon“ lässt mich schwärmen. Tut das wahrscheinlich mit jedem Kinofan. Wenn man mit seiner Tochter einen solchen Film dreht und sich so blind mit ihr versteht, hat man es geschafft…

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