Review

Three Killwards Outside NYC


Die Wut und Trauer einer Mutter, wenn ihre Tochter verschwunden ist bzw. womöglich getötet wurde - „Lost Girls“, basierend auf einem wahren, unaufgeklärten Serienkillerfall in den Randbereichen von New York, fängt diese emotionale Wucht und Eruption gnadenlos gut ein! Bissig und faszinierend gut gespielt von Amy Ryan, die hier als verzweifelte Mutter ihrer ältesten Tochter und ihrem Verschwinden hartnäckig hinterherforscht, da die wenig motivierte Polizei von Faulheit bis Unfähigkeit viel beweist - nur keinen allzu großen Drang oder großes Geschick, den sich immer weiter ausbreitenden Fall zu knacken und Fäden zu verbinden...

„Lost Girls“ ist ein mal unterkühlter, mal unheimlich emotionaler Thriller auf wahren Begebenheiten, den es exklusiv auf Netflix zu bestaunen gibt und der für mich durchaus zu den bisherigen Geheimtipps in diesem noch sehr mageren Filmjahr zählt. Erst recht wenn man auf True Crime und frostige Krimis steht, ala Fincher oder den nordischen Geschichten. Das Entsetzen und der Horror des damaligen Falls kommen gut rüber, gehen einem schnell ins Mark. Die Darsteller sind erste Klasse, auch der gegerbte Gabriel Byrne oder die junge Entdeckung Thomasin McKenzie, die ja schon in „Jojo Rabbit“ für Aufsehen sorgte. Doch im Kern stehen Wut und Bauchgefühl, Opfer und Verlust, institutionelle Fehler und Versäumnisse, soziale Ungleichheiten und Zusammenhalt, Familie und Furcht, Hoffnung und Gewissheit. Das ambivalente, authentische Ende muss nicht jeden befriedigen - doch das tut das Leben eh eher selten... 

Fazit: eine saftige Ohrfeige für und Anklage an Polizei und sich immer weiter spaltende Gesellschaft mit Wut und Trauer im Bauch. Stark gespielt, intensiv inszeniert und musikalisch untermalt, ein Thema, das jeden angeht. Stabiler Thriller mit wahren Bezügen und echter Gänsehaut. Fincher To Go. 

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