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Boyka goes Bond - Agent Adkins räumt auf


Scott Adkins ist kein großer Mime, er steht vor allem für versierte Handarbeit, besser gesagt Handkantenarbeit. In seinem zumindest quantitativ inzwischen recht ansehnlichen Filmschaffen hat der kernige Brite vor allem ausgeteilt, eingesteckt und dann wieder ordentlich ausgeteilt. Verbale, emotionale und mentale Fähigkeiten waren da eher weniger gefragt, was nicht weiter schlimm ist, schließlich haben die Kollegen Chuck Norris, Jean-Claude VanDamme und Steven Seagal ganz nette Karrieren mit exakt denselben Mankos aufgebaut. Natürlich tut man den Herren damit ein wenig Unrecht, denn würden sie nur wie tumbe Baumstämme durch ihre Filme stapfen, dann könnten sie sich inkognito unter die ganzen Ex-Wrestler mischen, die regelmäßig die C-Portfolios diverser DTV-Firmen befüllen.

Ja, auch im oft gering geschätzten B-Action-Teich schwimmen manche weiter oben. Gut, die von Jason Statham erfolgreich abgelegte Prüfung zum A-Seepferdchen bleibt für die allermeister ein feuchter Traum, aber man kann ja mal üben. Bei Scott Adkins heißt die neueste Trainingseinheit „Legacy of Lies“ und er schlägt sich dabei recht wacker. Natürlich darf er auch hier seine Taekwondo-Schwarzgurt-Expertise einbringen und ausgiebig dem Schusswaffengebrauch frönen, aber diesmal gibt es so etwas wie eine Handlung, die ein wenig mehr Fleisch auf den Rippen hat wie gewohnt und die auch den ein oder anderen Haken schlägt. Dazu ist Scott nicht nur als Problemlöser unterwegs, sondern hat selbst ein paar zu bewältigen und das auch noch im zwischenmenschlichen Minenfeld.

Zunächst beginnt alles wie immer. Scott ist eine ehemaliger Profi, der urplötzlich von seiner beruflichen Vergangenheit eingeholt wird und zwischen die Fronten früherer Freunde und Feinde gerät. Als Ex-MI6-Agent Martin Baxter soll er für den KGB brisante Dateien beschaffen, hinter denen auch der Westen her ist. Zur „Motivation“ entführt der KGB seine Tochter verbunden mit einem 24-Stunden-Ultimatum. Business as usual also? Nicht ganz.

Das Skript legt mehr Wert auf die Spionageaspekte als auf Taktung und Grad des Gewaltlevels, soll heißen die Actioneinlagen dienen der Handlung und nicht umgekehrt. Dazu spielt Baxters letzter Einsatz vor seinem Ausscheiden eine zentrale Rolle und die konkurrierenden Geheimdienste sorgen sowohl für gezielt gesetzte Verwirrungs- wie Spannungsmomente. Vor allem aber ist Baxters Verhalten emotional motiviert und die Rolle seiner Tochter kein Alibi-Auftritt. Adkins ist also nicht nur als Vater unterwegs, sondern muss diesen auch durchgängig spielen. Und das macht er mehr als ordentlich, zumindest agiert er im Rahmen seiner Möglichkeiten und den Ambitionen des Films recht glaubwürdig, taucht damit also schon mal aus dem üblichen B-Sumpf auf.

Überhaupt ist „Legacy of Lies“ vergleichsweise ambitioniert und mehr Bond und Bourne als Boyka und Ballaballa. Neben der Story gilt das auch für die Optik. Kameramann Simon Rowling und Regisseur Adrian Bol wollten sich wohl vom tristen Ostblock-Einheitslook absetzten und nutzen das etwas höhere Budget für eine breite Farbpalette und stylische Bilder. Dazu dreht man beispielsweise vor Ort in Kiew und baute teilweise große Sets, die der Kamera viele Möglichkeiten boten. Für die Kampfchoreographien engagierte man schließlich den erfahrenen Tim Man, der gewohnt wertige Arbeit ablieferte.

Natürlich wird Scott Adkins auch mit diesem Werk nicht Jason Statham in die lockenden Mainstream-Gewässer folgen. Sein Charisma ist einfach begrenzt und der Film auch trotz aller Ambitionen klar im B-Sektor zu verorten. Für den allerdings ist er durchaus so etwas wie ein Aushängeschild auf dem steht: wir können mehr als nur in grauen Fabrikhallen herum ballern. Wir können ein wenig emotionale Tiefe, wir können ein wenig buntere Bilder, wir können ein wenig Spannung und vor allem können wir ein wenig Handlung, die nicht in zwei Sätzen und zwei Sekunden im Halbschlaf dechiffriert werden kann.

Adkins soll also ruhig bleiben wo er ist, schließlich ist das Kopfende nach Stathams erfolgreicher Flucht verwaist und ein weiterer Thronfolger weit und breit nicht in Sicht. Auch das überschaubare und vom Massentourismus verschmähte B-Reich will regiert werden. King Scott I. ist dafür gut gerüstet. Lasst ihn ran.

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