Sobald Lobbyisten in den obersten Etagen zusammenkommen, hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus. Speziell bei deutschen Waffenexporten scheint die Justiz auf dem rechten Auge blind zu sein, wie der gebürtige Journalist Daniel Harrich mit seiner Dokumentation „Waffen für die Welt – Export außer Kontrolle“ feststellen musste. 2015 folgte schließlich der Spielfilm „Meister des Todes“, der sich auf wahre Begebenheiten stützt. Vorliegende Fortsetzug baut erneut darauf auf.
Die Vorsitzenden der Waffenschmiede HSW müssen sich in Stuttgart vor Gericht verantworten, weil ihre Rüstungsgüter in Guerrero eingesetzt wurden, bei dem jüngst 43 Studenten „verschwanden“. Menschenrechtlerin Christiane (Katharina Wackernagel) und Sabine (Veronica Ferres), die Frau eines leitenden Bosses verschlägt es nach Mexiko, um Beweise für die Vertuschung von HSW zu sammeln…
Regisseur Harrich hakt beim Thema noch einmal nach, bastelt sich im Grunde jedoch nur einen Neuaufguss mit veränderter Gewichtung beim Figurengefüge. Zunächst als Parallelmontage angelegt, - Szenen des anlaufenden Prozesses wechseln sich mit den Geschehnissen rund um den jungen Miguel in Guerrero ab, steht im Kern eine simple Geschichte, die leider nur selten Spannung aufkommen lässt.
Der Mangel an Thrill macht sich primär bei den Befragungen vor Gericht bemerkbar, während einige Szenen in Mexiko, wie etwa eine Flucht vor der Polizei durchs Feld, deutlich ansprechender inszeniert sind. Gleiches gilt für die Figuren. Das Schicksal der Bevölkerung in Guerrero macht betroffen, die Skrupellosigkeit der geschmierten Polizei stößt bitter auf, wogegen die Vorstandsmitglieder in vollem Umfang dem Klischee der schmierigen Bonzen entsprechen, was insgesamt etwas zu dick aufgetragen ist. Die eigentlich im Fokus stehende Sabine, ihres Zeichens eine selbstmitleidige Schnapsdrossel, verfehlt in vielen Momenten die Aufgabe, den Zuschauer emotional zu packen.
Bei alledem kann sich Harrich erneut auf viele etablierte Gesichter verlassen, die von Heiner Lauterbach, Udo Wachtveitl, über Heinz Hoenig bis Désirée Nosbusch und Axel Milberg reichen. Auch die Kamera arbeitet souverän und primär innerhalb des Gerichtssaals recht variabel, während die Kulissen in Mexiko für die notwendige Authentizität sorgen. Wobei hier speziell die darstellerischen Leistungen der Nebendarsteller hervorgehoben werden müssen, die das Leid durch den entstandenen Korruptionssumpf angemessen transportieren.
Trotz einiger finaler Enthüllungen bleibt der große Wurf aus, obgleich das Thema nach wie vor brisant ist und zumindest ein wenig hinter die Kulissen blicken lässt. Es entstehen zwar keinerlei Längen, doch mitreißend gestaltet sich der Stoff nicht, zumal einige ungünstige Gewichtungen innerhalb der Geschichte den Drive herausnehmen. Gegenüber dem Erstling von 2015 erfährt man hier nicht viel neues, so dass der Polit-Krimi nicht mehr als passable TV-Ware liefert.
Knapp
6 von 10