Review

Kompakte Seeschlacht ohne viel Tiefgang


„Greyhound“ ist ein wenig „für den hohlen Zahn“ und hält nicht an, der Meereskriegsfilm mit Tom Hanks auf Apple+ macht sich durch unheimlich oberflächliche Figuren und seine minimale Laufzeit (ungewöhnlich für das Genre!) leicht angreifbar - und dennoch hat er mich gut und vor allem oft richtig spannend unterhalten! Man könnte fast sagen, der Film/das Script (von Hanks persönlich!) bricht sein Thema und Setting auf das Allernötigste und Purste runter... Wir folgen einem amerikanischen Kriegsschiffkapitän bei einer Überfahrt über den Atlantik, wo er wichtige Nachschubschiffe der Alliierten beschützen soll. Doch ein Pack deutscher U-Boote beweist sich als aggressiv, tödlich, brandgefährlich und vor allem bei Nacht fast schon als gespenstig und gruselig...

Auf einer wahren Geschichte basierend, knackig konzentriert auf (ohne Abspann) weit unter 90 Minuten, mit Hanks mal wieder in einer Captainrolle und einem ziemlich peitschenden, dröhnenden, Hans Zimmer-artigen Score, der mir sehr positiv hängen geblieben und ein ums andere Mal unter die Haut gekrochen ist. Eigentlich als Kinorelease geplant, dann von Apple aufgekauft und nun dort aufgetaucht - eigentlich schade, denn „Greyhound“ hat mit seinen peitschenden Wellen, zischenden Torpedos, heulenden Nazis und krachenden Edeleffekten absolute Kinoeigenschaften. Aber daran kann man (erst recht momentan) nichts ändern. Ein guter Film funktioniert auch daheim. Und das ist/tut „Greyhound“. Als Navy-Klassiker ala „Das Boot“ oder „Crimson Tide“ würde ich ihn dennoch niemals bezeichnen - dafür ist er wie gesagt zu seicht, sanft und simpel, dazu wiederholt er sich auch ein gutes Stück zu oft und ist im Großen und Ganzen berechenbar und mir emotional eher fern geblieben. Wenn der Kapitän nur die Eigenschaften „religiös“ und „will zu seiner großen Liebe zurück“ mitbekommt, dann ist das doch ziemlich mager. Selbst wenn ein sympathischer Schauspielgigant wie Hanks sogar daraus noch genug herauskitzelt und man argumentieren kann, dass in der Armee, im Krieg oder auf solch einem Kreuzer vieles eben sehr anonym und unpersönlich ist. Dennoch ist das natürlich ein massives Minus. An den packenden Duellen auf hoher See und bockstarken Bildern+Tönen ändert das jedoch null. Und gerade wenn man vielleicht mal selbst gedient hat oder etwas mit dem Militär zu tun hat, dürfte diese erbarmungslose Seeschlacht dieses Jahr dennoch zum Pflichtprogramm gehören. 

Fazit: ökonomisch, knackig, packend - und das, obwohl es nahezu null Charakterisierungen gibt. Ein militärischer, sehr ansehnlicher Zwischensnack. Muss ja nicht alles drei Stunden gehen... 

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