Eine Nachricht aus der Zukunft, eine Erklärung, eine Mahnung. In dem von Johann Johannsson inszenierten Film „Last and First Men“ greift er die gleichnamige Buchvorlage von Olaf Stapleton auf und gießt diese in eine Abfolge von Bildern, welche künstlich geschaffene Formationen zeigen. Diese „Spomeniks“, Kriegsdenkmäler, Konstruktionen, wirken im Kontext des Werks fast schon außerirdisch.
Dazu tragen sowohl Machart als auch Inhalt bei. Johannsson lässt eine Stimme aus dem Nichts sprechen, aus einer zwei Milliarden entfernten Zukunft. Es ist eine dieser Letzten Menschen, die zu uns, den Ersten, Kontakt aufnehmen. Dabei schert man sich nicht um technische Erklärungen, es ist mehr Kunstwerk als erzählender Film. Die Stimme aus der Zukunft gehört Tilda Swinton und ihr zuzuhören ist schon ein auditiver Genuss. Dabei erzählt sie von dem, was dann und dort als menschlich lebt, weg von der Erde in einer uns fremd wirkenden Existenz, Form und Kommunikation. Und von dem Schicksal, welches sie ereilen wird.
Und so konkret manche Ausführungen auch sind, im Gesamtbild bleibt es rauschhaft. Zumindest wenn man sich auf diese Mischung aus den Bildern in Schwarzweiß, Swintons Erzählung mit all ihren Pausen und der dies unterlegenden Musik von Johannsson und Yair Elazar Glotman einlassen kann. Der Ton ergänzt Bild und Wort, wirkt mitunter wie ein eigener Ausdruck der Erzählung, ist auch mal eher Klangteppich und trägt zum Erlebnis bei. Denn genau dies kann „Last and First Men“ im eigenen Kopf sein, wenn man diese Art mag und gerade in der richtigen Stimmung ist.
Dass wir Menschen dem Universum am Allerwertesten vorbeigehen ist sicherlich keine neue Erkenntnis, hier aber nur ein Punkt, der in der ruhigen Erzählung und seinen stillen Bildern angesprochen wird. „Last and First Men“ ist ein Gedankenkonstrukt, wenig euphorisch und in seiner audiovisuellen Tristesse doch sehr ansprechend. Hypnotische Bilder, darüber Tilda Swintons Stimme. Eine schöne und melancholische Einheit, die eigene Bilder im Kopf entstehen lässt und zum weiteren Ausfüllen einlädt. So ein Ding für den richtigen Moment.