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Anthony kann sich gut um sich selber kümmern. Zumindest behauptet er das immer wieder, wobei seine Tochter Anne da anderer Ansicht ist. Denn Anthony leidet unter Demenz und seine Sicht auf die Dinge ist einer zunehmenden Verwirrung unterworfen.

Was den Film so faszinierend macht, ist seine Struktur. Wie Anthonys Empfinden und dem wiederkehrenden Thema der Zeit, springt „The Father“ scheinbar willkürlich hin und her. Dabei legt er aber auch keinen Wert darauf, dass das alles exakt nachvollziehbar ist und genau hier liegt seine Raffinesse, transportiert er doch eben genau auf diese Art, wie die Hauptfigur ihre Umwelt erlebt. Durch das stete Verweisen auf seine Uhr legt Regisseur Florian Zeller sichtlich Wert auf das Schwinden des Zeitgefühls und das stets anwachsende Durcheinander, das mit der Erkrankung einhergeht, wobei der gelungene Schnitt nicht unerheblich dazu beiträgt.
Das Krankheitsbild wird hierbei nicht voyeuristisch ausgeschlachtet, man konzentriert sich auf den schleichenden Kontrollverlust ohne Effekthascherei. Was dabei nun, wenn man es so nennen will, wirklich passiert ist und was nur dem verschobenen Geist Anthonys geschuldet ist, bleibt immer wieder mal offen. Das Ende ist überaus rührend und Anthony Hopkins kann mit dieser überaus emotionalen Szene eine sehr überzeugende Darstellung krönen. Den weiteren Fixpunkt stellt Olivia Colman als Anthonys Tochter Anne dar, die unter der Verwirrung des Vaters leidet und selbst auch im Umgang mit ihm und sich hadert. Ebenso wie Hopkins überzeugt sie hier, der Rest ist mit Mark Gatiss, Rufus Sewell oder Imogen Poots ebenfalls ansehnlich besetzt.

Ein tragischer Blick auf den Verfall eines geliebten Menschen, angereichert mit Verweisen auf das Empfinden des eigenen Verschwindens und mit zwei überzeugenden Darstellern garniert. Durch die sprunghafte und bisweilen gewollt verwirrende Struktur wirkt Anthonys Niedergang erlebbar und berührend. Ein sehr sehenswerter Beitrag zu einem sensiblen Thema.

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