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Man hört die Nachtigall trapsen


„The Night House“ startet passend zum Fest der Toten Ende des Monat hierzulande bei Disney+ und ist inszeniert von David Bruckner, der mit dem ebenfalls sehenswerten „The Ritual“ schon ausführlich Streamingluft schnuppern konnte. Erzählt wird von einer frischen Witwe, die zwischen Schmerz, Trauer und Ratlosigkeit durch den überraschenden Selbstmord ihres Mannes immer mehr Geheimnisse und Unstimmigkeiten über ihn sowie ihr gemeinsames Haus aufdeckt…

Was sich anhört wie eine altbackene Haunted House-Geschichte mit modernem „Post Horror“-Herzschlag ist im Endeffekt noch deutlich mehr als das, wesentlich frischer als man es hätte erwarten können. Selbst als kleiner Fan von Bruckners bisherigem Genreschaffen. „The Entity“ meets „Amityville Horror“ meets „P.S. Ich Liebe Dich“ - klingt schräg, funktioniert die meiste Zeit aber herausragend. Stilvolle Bilder, glaubhafte Dialoge und Figuren, unterschwellige Fragen zu Themen wie Vertrauen, Kontrolle und Eifersucht. Tiefe Trauer natürlich an erster Stelle. Und echter als das kann Horror kaum werden. Rebecca Hall spielt aufopferungsvoll und schlicht sensationell. Die schaurigen und oft doppelseitigen Spielereien mit Schatten, Formen, (Blick-)Winkeln und sogar Einrichtungsgegenständen zeugen beinahe von Meisterhand. Man fühlt von Minute zu Minute mehr mit unserer Protagonistin. Die Verunsicherung, die Wut, die Skepsis. Und immer wieder diese alles verschlingende Traurigkeit. Fast körperlich spürbar. Viel mehr als nur „Geisterhorror“. Ein Gourmetgang, bei dem ich mir nur den Abgang etwas kraftvoller gewünscht hätte. Ansonsten ein Jahreshighlight in Sachen Gänsehaut. 

Fazit: ein genauso emotionaler wie gruseliger „Trauerklos“ zwischen Alptraum und Wahrheit. Plus Hall ist grandios! 

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