Nach dem Suizid ihres Ehemanns verbleibt Beth alleine im abgelegenen Haus am See. In Trauer, in Erinnerungen schwelgend, ereignen sich schon bald merkwürdige Dinge des Nachts. Doch nicht nur die Unterscheidung zwischen Traum und Wirklichkeit stellt Beth auf die Probe, mit fortschreitender Zeit deckt sie eine bislang unbekannte Vergangenheit ihres verstorbenen Mannes auf.
Was als Geisterhausgrusel beginnt, und zugegebenermaßen in diesem Genre schon recht wirkungsvoll inszeniert ist, legt mit fortschreitender Spielzeit noch weitere Ebenen frei. Das macht „The Night House“ von David Bruckner zu einem sehenswerten psychologischen Horrorfilm, der sich zwar mancher genretypischer Mechanismen bedient, trotzdem aber mehr bietet. Arrangieren muss man sich mit einigen (leider effektiven) Jumpscares, grundsätzlich baut man aber auf einen ordentlichen Spannungsbogen.
Die Atmosphäre ist dicht, dazu trägt auch das sehr gelungene Sounddesign bei. Ebenfalls auffallend produziert die Kamera von Elisha Christian manch fein eingefangenes Bild. Das Unbehagen wächst in Wellen, wird immer wieder durchbrochen, nur um sich dann wieder aufzubauen und neue Fragen aufzuwerfen. Die Erkenntnisse, die Beth im weiteren Verlauf über ihren verstorbenen Owen herausfindet, setzen wiederum Ereignisse in Gang. Dabei kann diskutiert werden, welcher Natur diese sind, denn Bruckners Weg führt nicht nur hinaus, sondern auch in die Hauptfigur hinein. Doch sollte man das einfach auf sich zukommen lassen.
Der Film ruht dabei auf Rebecca Halls Schultern und sie trägt diesen über die gesamte Spielzeit mit einer packenden Vorstellung. Es sind hier die Nuancen, die vor den großen Gesten das Gelingen ausmachen und die sie sichtbar beherrscht. Die Nebenrollen bleiben ebensolche, runden das darstellerisch gute Ensemble ab.
Etwas Kritik mag am Tempo angebracht sein, das aber immerhin nur selten schwankt oder daran, dass nicht jede effektive und insbesondere optisch ansprechende Idee vollends in den Kontext eingearbeitet wirkt. Das bleibt aber Meckern auf hohem Niveau und mindert den Genuss nicht maßgeblich.
Atmosphärisches Horrordrama auf sich wandelnden Ebenen. Mitunter Psychogramm und Traumabewältigung, verpackt in manch typischen Genremechanismus und im Kontext umso intensiver, sofern man sich, vielleicht auch aufgrund eigener Erfahrung, in das Szenario einfühlen kann. Sowohl auf der unheimlichen, als auch auf der emotionalen Ebene ansprechend.