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Zwischendurch – während man all den vergessenswerten oder köstlichen Mist schaut – muss man auch mal die kleinen Perlen loben, die nicht perfekt sind, aber angedenk ihres kleines Budgets doch mehr abgeliefert haben als den üblichen Stiefel, mit dem Papa schon in den 80ern beim Bund war und Opa aus der Normandie heimgekehrt war.

Eine dieser kleineren Überraschungen ist sicherlich „Awoken“, ein Film, dessen Pitch nicht eben originell klingt, denn es geht mal wieder um Schlaflosigkeit, Nachtangst, Nicht-Schlafen-Können, war alles schon dutzendfach da, ist durchgekaut.

Aber was die Autoren Grace und Phillips (letzterer auch noch Regie) hier munter und düster zusammenwerfen, geht dann doch überraschend weit über das Erwartbare hinaus, denn sie schaffen es, ihr generell überschaubares Skript mit immer neuen Lagen und Wendungen anzureichern.

Zunächst ist es nur eine Medizinstudentin, die sich um ihren Bruder sorgt, weil dieser an einem geheimnisvollen Syndrom leidet, bei dem man nicht mehr schlafen kann, was bekanntermaßen tödlich enden kann. Ähnliches befiel schon die Mutter, die in frühen Jahren starb. Als man ihn sozusagen austherapier hat, aber unkuriert heim schicken will (bspw. um dort zu sterben), geht unsere Heldin Karla auf eine Idee ihres Vorgesetzten ein, den Bruder weiter privat zu versorgen und zu erforschen.

Damit öffnet sich der Film zur nächsten Lage, nämlich der Verlagerung der Handlung in ein fast abgeschlossenes, vergessenes Klinikuntergeschoss, in das man nur per Fahrstuhl kommt (jaja, man ahnt es schon), wo bereits zwei andere Patienten darum kämpfen, an ihren Krankheitsbildern nicht drauf zu gehen. In der nächsten Lage schließt sich eine Freundin an und in der Sub-Klinik wartet als Helfer leider noch der Exfreund, Spannungen und Anspannungen sind garantiert.

Nächste Überraschungsbox: sie finden sie in der Geisterstation Unterlagen und Videobänder – die auf die Behandlung der verstorbenen Mutter hinweisen – und das wird noch erweitert, als aus dem Krankheitsbild ein möglicher Angriffspunkt für dämonische Besessenheit wird.

An diesem Punkt stoppe ich mal das Nacherzählen und weise nur noch darauf hin, dass es nur noch ein kleiner Schritt von dort bis zum ersten Todesfall ist und dem Umstand, dass man vorerst die Station nicht mehr verlassen kann – und dann fliegt die Scheiße auch schon in den Ventilator, während man immer noch neue Videobänder sucht.

Mit 87 Minuten ist „Awoken“ sich nicht übermäßig originell, aber er ist abwechslungsreich, dicht erzählt, vielschichtig, sauber gespielt und zeitweise beklemmend, nicht zuletzt, weil man auf Figuren verzichtet hat, die dem Publikum egal sind, auch wenn nie so ganz klar wird, wie das tödliche Syndrom denn nun eigentlich behandelt werden soll. Des weiteren wird auf überidiotisches Verhalten verzichtet und der Plot zieht genügen Kaninchen aus dem Hut, um den Zuschauer anderthalb Stunden bei der Stange zu halten, ein Kniff, den heute, nach gefühlt 3000 Horrorfilmen, auch nicht mehr jeder Regieneuling auf der Pfanne hat. Wenn es dem Zuschauer dann auch nicht daran gebricht, dass es zwischendurch noch reinste Found Footage-Inserts gibt, dann hat man einen effektiven, kleinen gruseligen Film, den man zwischen Bergen von Grütze ruhig mit einem kleinen Sternchen markieren darf. (7/10)









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