Review

Auch wenn die Halloweenfeier in diesem Jahr aufgrund coronatischer Bedingungen vielerorts flach fallen dürfte, sofern man nicht auf Maskenball setzt, tauchen doch vereinzelt cineastische Kandidaten für eben jenes Event im Vorfeld auf, - wie vorliegender Episodenhorror. Der Vorteil: Das Warten auf die jeweilige Pointe schafft Kurzweil. Der Nachteil: Einige Pointen verpuffen oder es gibt erst gar keine.

Im Zentrum der Rahmenhandlung steht Radiomoderator Rob, der durchs Nachtprogramm führt. Gerne lässt er diverse Anrufer kurze Gruselanekdoten erzählen, zuweilen greift er selbst auf einige zurück, bis er den Anruf eines verängstigten Jungen erhält.

Weitere acht Kurzgeschichten mit unterschiedlicher Güte folgen, wobei den Beiträgen kein spezielles Konzept unterliegt, außer Angst und Schrecken zu verbreiten. Einen ersten Höhepunkt bildet die Geschichte „Post Mortem Mary“. Irgendwo im australischen Hinterland, Ende des 19. Jahrhunderts, soll die Leiche einer verunglückten Tochter möglichst lebendig fotografiert werden. Die Fotografin schickt ihre Tochter vor, die mehr als nur ein Problem beim Ablichten der etwa gleichaltrigen Toten hat.
Makaberer Humor, ein sehr gutes Timing, saubere Effekte und eine düstere Pointe runden die gelungene Episode ab.

Eine weitere überzeugende, teils gesellschaftskritische Story ist „The Disappearance of Willie Bingham“, was mehr oder minder wörtlich zu nehmen ist. Der titelgebende und inhaftierte Mörder ist dem Willen der Angehörigen des Opfers ausgeliefert. Sie können entscheiden, wie häufig der Schlächter operiert wird und somit jeweils mindestens ein Körperteil verliert, was anschließend als warnendes Beispiel in pädagogischen Einrichtungen dienen soll.
Sehr bissig, ausgezeichnet besetzt und performt und mit einer sarkastischen Auflösung versehen.

Ansonsten gibt es Kurzfilme über eine Nackte und einen Jäger, einen exzentrischen Friseur und eine Tänzerin mit vermeintlichen Magenproblemen. Auch die Rahmenhandlung wird storytechnisch vorangetrieben und mit einer Pointe versehen. Zwei, drei schwächere Beiträge sind zwar dabei, doch wirklich schlecht ist keiner, zumal handwerklich ein insgesamt passables Niveau geliefert wird und auch darstellerisch kein Totalausfall dabei ist. Die Splattereinlagen halten sich in Grenzen, jene sind allerdings durch die Bank handgemacht.

Abwechslung bieten Horror-Anthologien beinahe immer und obgleich mal einige schwächere Beiträge dabei sind, überzeugt die Gesamtheit durch Kurzweil, so auch hier.
Von der Laufzeit von 104 Minuten sollte man sich übrigens nicht abschrecken lassen, denn der Abspann dauert sage und schreibe elf Minuten.
Knapp
7 von 10

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