Review

Disney-Gegengift


Dieses hübsche Netflix-Animations-Ü-Ei wirkt wie ein Kompott aus nahezu allen erfolgreichen Animationsfilmen der letzten Jahre, fast als ob ihn ein Supercomputer geschaffen hätte - von der Adams Family bis Coraline, von den Unglaublichen bis zu den Croods, von Mister Link bis Störche, von Gru bis Pets, hier ist wirklich ein bunter Kompott am Start, dem man gefesselt zusieht. Denn: er funktioniert weitestgehend! Erzählt wird von der titelgebende Familie bzw. eher deren jüngster Generation, die von ihren Eltern alles andere als gut und liebevoll behandelt wird, wodurch die Kids sich dazu entschließen, sich zu Waisen zu machen... Klingt nicht nur dunkel, ist es zum Glück auch teilweise! 

„The Willoughbys“ hat einen Killerstil, sieht wunderschön aus, irgendwo zwischen Stop Motion, Computeranimation und Scherenschnitt, ist thematisch schön erwachsen und erstaunlich ernst, optisch oft quietschbunt. Aber die Gegensätze und Mischungen funktionieren! Es geht kurz gesagt um schlechte, egoistische Eltern. Und familiäre Liebe und Nähe. Zudem wird eine schwungvolle Abenteuergeschichte erzählt, die Kids sind liebenswert und die Witze sitzen oft genug, ich habe viel geschmunzelt. Manchmal hat man zwar das Gefühl, dass der Film nicht ganz weiß, wohin, dass er versucht, auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen und keiner komplett gerecht wird - doch im Grunde ist das ein wunderschöner Gegenentwurf zu Zucker, Prinzessinnen und Kitsch. Antidote-Anarchie. 

Fazit: frech, düster, reif. Und doch bunt, emotional, schwung- und liebevoll. Mit einem ernsten Thema obendrauf. Familie muss nicht immer durch Blut zusammengehalten werden. Irgendwo zwischen DreamWorks und Laika. Nach „Klaus“ und „Ich habe meinen Körper verloren“ hat Netflix in Sachen Animation einen echten Lauf. Dieser problematischen Familie gibt man (trotz ein wenig Unkonzentriertheit) gerne ein Zuhause - in Herzensnähe! 

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