Man kann auch mit einem familientauglichen Animationsfilm gegen den Strom schwimmen. Einerseits mithilfe einer eher ungewöhnlichen Optik, andererseits mit Details der Geschichte, die im vorliegenden Fall bei einer Produktionsschmiede wie Disney wahrscheinlich erst gar nicht näher betrachtet worden wäre.
Familie Willoughby ist eine Sippe mit langer Tradition, doch die Eltern der vier Kinder Tim, Jane und den Zwillingen Barnaby bekunden nicht das geringste Interesse an ihren Nachkommen. Ergo fassen die Kinder den Plan, Waisen zu werden, während die Eltern eine tödliche Weltreise antreten sollen…
Dysfunktionale Familien prägten zwar bereits einige Märchen, doch beim modernen Animationsfilm geht es normalerweise um Reibereien, Missverständnisse oder generationsbedingte Meinungsverschiedenheiten. Dass Kinder ihre Eltern loswerden wollen, - so richtig und endgültig, ist mal ein gewagter Schritt. Noch gewagter, fürs reifere Publikum jedoch amüsant zu verfolgen, ist die Visualisierung solch durchgespielter Möglichkeiten im Zuge einiger Lebensgefahren.
Die Figuren sehen indes so aus, als hätte sich Tim Burton an Stop Motion versucht: Unnatürlich proportionierte, meist spindeldürre Körper mit spitz zulaufenden Nasen, merkwürdig anmutende, teils grotesk texturierte Haare, deren Bewegungen zuweilen alles andere als geschmeidig erscheinen. Außer in einer Zuckerwarenfabrik sind die Schauplätze eher karg ausgestattet, es lohnt sich allerdings, auf Besonderheiten im Hintergrund zu achten.
Als Erzähler fungiert eine blaue Katze, die für den einen oder anderen zynischen Kommentar sorgt und später in die Handlung eingebunden wird. Tim ist eher ein wenig nervig, weil er im Grunde nichts zustande bringt, dabei jedoch lange an den Familientraditionen festhält und zudem übermäßig ängstlich reagiert. Die Tüftler Barnaby beleben derweil ein wenig das Geschehen, gleiches gilt für ein Findelkind. Auf der anderen Seiten dienen die selbstverliebten Eltern als wunderbare Bösewichte.
Leider wird die Geschichte ein wenig episodenhaft vorgetragen und nicht jedes Kapitel baut eine entsprechende Dynamik auf wie das Finale, zu dem es per Zeppelin in die Schweiz geht. Zudem leidet der Humor ein wenig, welcher selten über harmlose Situationskomik hinauskommt und auch auf emotionaler Ebene geht es kaum in die Tiefe.
Dennoch lässt sich eine eher untypische Pointe mitnehmen, während sich auch die Form der Animation von der konventionellen Gestaltung in einigen Punkten abhebt. Ein insgesamt einigermaßen kurzweiliger Streifen, der seine zynische Art nicht konsequent durchzieht, wodurch er deutlich nachhaltiger hätte ausfallen können.
6 von 10