Review

Deutlicher könnte der Titel auf ein Subgenre wie Home Invasion kaum ausgelegt sein. Wobei hier der eher schleichende Terror Einzug hält, denn anders als bei aggressiven Eindringlingen bemerken die Betroffenen nicht, dass sie gegeneinander ausgespielt werden. Gegenüber ihrem „Carriers“ gehen die spanischen Regiebrüder David und Àlex Pastor hier relativ gemächlich zu Werke.

Der einst erfolgreiche Werbemanager Javier (Javier Gutiérrez) verliert seinen Job, woraufhin er und seine Familie die luxuriöse Wohnung aufgeben und in eine deutlich kleinere umziehen müssen. Mithilfe des Schlüssels verschafft er sich heimlich Zutritt zu seinem alten Domizil, welches mittlerweile von Tomas (Mario Casas) nebst Frau und Tochter bewohnt wird. Über Umwege erschleicht sich Javier das Vertrauen des jungen Familienvaters…

Menschen sind mehrheitlich bestrebt, ihren Lebensstandard mindestens zu halten, eher noch zu verbessern und haben oftmals schwer daran zu knabbern, wenn die Spirale mal bergab weist. Wenn dann noch Neid und Missgunst hinzukommen, entsteht so ein Verhalten wie man es bei Javier beobachten kann, einem kühlen Pragmatiker, der scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist.

Einige Unwahrscheinlichkeiten muss man bei alledem recht früh in Kauf nehmen, denn trotz Wohnungsschlüssels unbemerkt in die alte Wohnung zu gelangen, ist eine Sache, sich bei den anonymen Alkoholikern einzuschleichen, um typische Auswirkungen zu schildern ohne je davon betroffen gewesen zu sein, eine andere. Die Gebrüder Pastor lassen sich ein wenig Zeit, den Protagonisten zu etablieren, der seine kriminelle Energie stets steigert, um an sein Ziel zu gelangen. Das fällt im ersten Drittel ein wenig dröge aus, zumal die Figurenkonstellation überschaubar bleibt und lange Zeit nicht mehr als kleinkriminelle Machenschaften auszumachen sind.

Erst als Javier zu drastischen Maßnahmen greift, wird es zusehends spannender. Allerdings verlaufen einige Vorgänge auffallend glatt, während Überraschungen weitgehend ausbleiben.
Zudem eskaliert die Situation nie vollends, was im Zuge diverser Intrigen und Manipulationen durchaus wünschenswert gewesen wäre. Immerhin fällt das Ende in gewisser Hinsicht konsequent aus.

Während unterm Strich eher darstellerisches Mittelmaß geboten wird, hebt sich Hauptdarsteller Javier Gutiérrez ganz deutlich vom Rest ab. Den durchtriebenen Pragmatiker nimmt man ihm zu jedem Zeitpunkt ab, zudem bringt er phasenweise eine unheimliche Aura mit. Ansonsten fällt die angenehm schnörkellose Inszenierung eher positiv auf, wodurch die Konzentration aufs Zusammenspiel der Figuren gelenkt wird. Ein Mangel an Temposzenen macht sich allenfalls im Mittelteil ein wenig bemerkbar.

Leider bleibt die ganz große Eskalation aus, der Terror hält sich in Grenzen und nur selten wird man von den fiesen Plänen des garstigen Neiders überrascht. Entsprechend kommt nur hin und wieder etwas mehr Spannung auf, schwarzhumorige Auflockerungen sucht man indes komplett vergebens. Wer nicht allzu sehr auf körperlich betonte Home Invasion steht und es vergleichsweise subtiler mag, könnte einen Blick riskieren, allzu viele Innovationen sollte man jedoch nicht erwarten.
Knapp
6 von 10

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