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Einst war er eine Ikone, der spanische Werbefachmann Javier Muñoz (Javier Gutiérrez), und an manche der von ihm produzierten  TV-Werbeclips erinnert man sich auch noch nach Jahren, doch die Branche hat sich verändert und mittlerweile ist Muñoz arbeitslos. Mit dieser neuen Realität mag er sich nicht anfreunden, ganz besonders möchte er seine gesellschaftliche Stellung, nach außen hin durch eine geräumige Wohnung in guter Lage sowie eine teure BMW-Limousine ersichtlich, nicht verlieren. Ein vielversprechendes Jobangebot eines Bekannten erweist sich als unbezahlte Praktikumsstelle, und während seine Frau sich zunehmend Sorgen macht, wie die Rechnungen zu bezahlen sind, scheint sich Javier ins Unvermeidliche zu fügen, indem er einem Umzug in ein deutlich kleinere Wohnung in einem wenig vornehmen Stadtviertel zustimmt, seinen BMW inseriert und pro forma einen vorgeschriebenen Idiotenkurs des spanischen Arbeitsamtes besucht. Insgeheim aber hat der Werbe-Spezialist, der sich von seiner Familie schon ziemlich entfremdet hat, ganz andere Pläne: einen Schlüssel zur so sehr geliebten, splendiden alten Wohnung hat er noch, und da die neuen Mieter offenbar die Schlösser nicht haben austauschen lassen, besucht er bald heimlich den Ort, an dem er sein altes Leben zurücklassen mußte - ein Leben, das er unter allen Umständen wieder zurückhaben will...

Das spanische Drama Hogar präsentiert die berufliche Abwärtsspirale eines typischen Bürohengstes, der dank glänzender Erfolge lange Zeit ein komfortables Leben führen konnte, dabei aber völlig verabsäumt hatte, sich für schlechtere Zeiten abzusichern. Wie in Trance muß Javier erkennen, daß ihm in wenigen Wochen sein bisheriges Leben durch die Finger rinnt. Mangels Bodenhaftung verrennt er sich in eine Traumwelt, die ihn wieder in seiner alten Wohnung leben läßt - zumindest einige Stunden lang, solange die rechtmäßigen neuen Mieter in der Arbeit sind.
Seine Spannung bezieht der Film vor allem daraus, daß über weite Strecken nicht klar wird, was Javier eigentlich vorhat: Zu unerklärlich sind seine Handlungen, die er mittels Lügen vor seiner Frau verbirgt, die nur kopfschüttelnd quittiert, was ihr Gatte aufführt. Als sie ihm einmal heimlich folgt, kann Javier, der dies bemerkt hat, sie gerade noch täuschen. Dennoch macht er unbeirrt weiter und es gelingt ihm sogar, als Vormieter unerkannt mit den Nachmietern Kontakt aufzunehmen, wofür er sich nach vorherigem Herumschnüffeln in deren Laptop sogar in eine Selbsthilfegruppe anonymer Alkoholiker begibt und sich eine eigene Vita dafür ausdenkt. Wie ernst ihm sein Plan ist, wird auch deutlich, als ihn ein Gärtner aus früheren Tagen erkennt - dessen mehrfache Erpressungsversuche weiß Javier mit einem ausgefeilten Plan tödlich zu kontern.

Leider scheitert Hogar trotz seines überzeugenden Hauptdarstellers schlußendlich an einigen Logiklöchern - daß die neuen Mieter keine neuen Schlüssel machen ließen (gibt es derartige Sorglosigkeit wirklich?), daß Javier praktisch nie erwischt wird, wenn er in der alten Wohnung weilt, daß sein Beobachten derselben mittels Fernglases niemandem auffällt, daß seine an sich ernergische Frau nur halbherzig nach dem Erlös des angeblich verkauften Wagens fragt (und nicht nachbohrt) und daß überhaupt, vor allem gegen Ende des Films, viele Dinge (die hier der Spannung halber nicht verraten werden sollen) einfach viel zu glatt und zufällig ganz im Sinne von Javiers Plänen laufen. Manches davon, vor allem das Ende, ist dann schlicht unglaubwürdig...

Insgesamt ein dennoch unterhaltsamer Film, dessen Protagonist die Rolle des untersetzten, grauen Büromenschen, dem man soviel kriminelle Energie gar nicht zutraut, sehr überzeugend verkörpert, was die zunehmend größer werdenden Plotholes aber nicht überdecken kann. Hat man die Story allerdings einmal gesehen (und verdaut...), lohnt eine Zweitsichtung keinesfalls mehr. 5,4 Punkte.

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