Für nahezu jedes Hobby und jede Lebenssituation gibt es heutzutage entsprechende Videoclips auf youtube - manchmal auch für relativ schräge bis bedenkliche Gruppierungen. Eine solche sind die sich selbst Prepper nennenden Bürger, die sich auf befürchtete nahende Katastrophen bestmöglich vorbereiten wollen und dazu von größeren Lebensmittelvorräten bis hin zur völligen Autarkie - bei entsprechend vorhandenem Platz - eifrig Vorsorge betreiben. In der französischsprachigen kanadischen Provinz Quebec ist auch Familienvater Antoine diesen übertriebenen Mutmaßungen einer bevorstehenden Katastrophe erlegen und studiert fleißig den Videokanal eines Preppers, der abseits der Großstadt aus seinem Grundstück tief in den kanadischen Wäldern regelmäßig sogenannte Überlebenstipps sendet. Eines Tages ergbit sich für Antoine und eine handvoll Gleichgesinnter die Möglichkeit, den Videoblogger für mehrere Tage persönlich zu besuchen. Die Autos werden auf einem Parkplatz abgestellt, die Handies abgegeben und nach einer Fahrt auf einem Motorschlitten (mit Augenbinde) finden sich die Probanden dann auf einem Grundstück in der Wildnis wieder. Nach der üblichen Vorstellung untereinander und einem ungezwungenen Kennenlernen am Lagerfeuer zeigt ihnen Alain am nächsten Tag einige seiner Strategien, z.B. Tiere in Schlingen zu fangen und auszunehmen. Als es jedoch um das Thema Selbstschutz (vor Anderen) geht und einige Sprengkörper unter Anleitung gebastelt werden, geschieht das Unfaßbare: Eine dieser Bomben explodiert vorzeitig und tötet einen der Gäste. Schlagartig ändert sich die Situation: Ein Arzt oder gar die Polizei sind bei diesen Survival-Trainings nämlich nicht vorgesehen, wie Hausherr Alain mit Nachdruck feststellt...
Die kanadische Produktion Jusqu’au déclin beleuchtet eine Subkultur, die den meisten Großstädtern fremd ist, deswegen aber nicht weniger Anziehungskraft auf diese ausübt. Die sämtlichst jüngeren Gäste sind einigermaßen fit und auf ein paar entbehrungsreiche Tage vorbereitet, alle sind bereit, sich den Regeln des Mittfünfzigers Alain, der alleine auf seinem mit Fallen gespickten Waldgrundstück lebt, zu unterwerfen. Der Film dümpelt ein wenig vor sich hin, bis der tödliche Unfall die Gruppe vor eine Entscheidung stellt: Weitermachen, als sei nichts geschehen oder sofort die Konsequenzen ziehen. Nicht alle sind einer Meinung, und so spalten sich die Gäste in Grüppchen auf. Was sie nicht bedacht haben, ist der unbedingte Wille des Videobloggers, seine kleine heile Welt gegen jegliche Einflüsse von außen zu schützen, koste es was es wolle. Und so beginnt nach weiterem Blutvergießen eine Flucht durch den Wald...
Das Interessante an diesem Film ist die Reaktion der Gruppenmitglieder, von denen keine/keiner zuvor näher beschrieben wurde oder besonders hervorragt - und dennoch zeigen manche im Gegensatz zu anderen einen unbedingten Überlebenswillen. Dieser Überlebenswille sollte ja eigentlich in der Wildnis trainiert werden - nun aber richtet er sich gegen den Trainer. Im Grunde eine ähnliche Situation wie im 2000er The Beach, als ein Haiangriff urplötzlich die Stimmung im Paradies kippen läßt - hier ist es zwar kein Paradies, aber dennoch eine selbstgewählte Isolation von der bekannten Zivilisation, die hier wie dort ihre Schattenseiten schlagartig hervorkehrt.
Regisseur Patrice Laliberté zeichnet weder von den Gästen noch von Oberzampano Alain (der abends wehmütig Klavier spielt und sich insgeheim gleichgesinnte Dauergäste wünscht) ein reines Schwarz-weiß-Bild, vielmehr läßt er dem Zuschauer Raum, das Verhalten der Protagonisten selbst zu beurteilen: Harmlose Spinner oder gemeingefährliche Verschwörungstheoretiker? Die Überleitung von Ernährungstipps, Wassersparen und Kaninchen ausweiden hin zum Bombenbau (zum Schutz vor lästigen Nahrungskonkurrenten nach Eintreffen einer Katastrophe) ist im Film fließend - spätestens hier, bei der Fertigung von Rohrbomben, sollten jedoch bei jedem Teilnehmer, der noch halbwegs bei Verstand ist, sämtliche Alarmglocken schrillen...
Der folgende und durchaus dramatische Weitergang der Geschichte ist spannend mitzuverfolgen, auch wenn sich schnell abzeichnet, wer am Ende der Sieger sein wird. Neben einigen kleineren Ungereimtheiten (wie einem lauten Schreien am Eisloch, das nicht recht zu möglichst unauffällig Flüchtenden passen will) sind einige blutige Momente gekonnt in Szene gesetzt (wie z.B. ein erstaunlich authentisch wirkender Kopfschuß), vor allem aber bietet der Film auch nach dem Abspann genügend Diskussionsstoff, sich mit jener speziellen Gruppendynamik auseinanderzusetzen. 6 Punkte.