Ein Serienkiller, der es auf junge Frauen abgesehen hat, die er erst vergewaltigt und dann absticht, macht Miami unsicher. Die Nachrichtensprecherin Jane Harris beginnt, ihren Nachbarn Stanley Herbert, der sich zunehmend recht merkwürdig benimmt, für den Täter zu halten und nutzt jede Gelegenheit, um diesem auf eigene Faust nachzuschnüffeln. Janes Freund, der Anwalt David ist zwar der Meinung, dass sich die gute Frau da in etwas hineinsteigert, unterstützt sie aber dennoch bei ihren Nachforschungen. Derweil gerät Janes jüngere Schwester Tracy, die, seit sie als kleines Mädchen selbst vergewaltigt wurde, blind und stumm ist und deshalb das perfekte Opfer abgibt, mehr und mehr ins Visier des Killers... Dieser inmitten des Slasher-Booms der frühen 80er in die Kinos gebrachte, kleine Thriller verdankt den Filmen Alfred Hitchcocks ebensoviel wie den damals gerade hoch in Mode stehenden Schlitzer-Streifen: Während sich da auf der Story-Ebene nämlich durchaus gewisse Parallelen zu einem "Das Fenster zum Hof" ausmachen lassen - Lauren Tewes ist da als Protagonistin so vorwitzig wie einst James Stewart und bringt sich durch ihre eigene Neugier selbst in Teufels Küche - wurde das Ganze formal, um nicht zu altmodisch daherzukommen und mit der zunehmend brutaleren Konkurrenz mithalten zu können, nachträglich auf Geheiß der Produzenten mit einigen blutigen Effekten aus der Hand Tom Savinis aufgemotzt, die den Mord-Szenen wie üblich echte Showstopper-Qualitäten verleihen. Okay, an die graphische Detailfreudigkeit von Savinis F/X-Arbeit aus solchen Klassikern des Splatter-Kinos wie "Zombie", "Freitag der 13." oder "Maniac" reicht "Die Augen eines Fremden" nicht heran (auch wenn es im Finale wieder einen fetten Kopfschuss gibt!), aber das, was man zu sehen kriegt, ist doch allemal immer noch genug, um einem ein mulmiges Gefühl in der Magengegend zu verpassen... gerade in jenen Momenten, in denen die geschilderte Gewalt recht unverblümt sexuell konotiert daherkommt (die angedeuteten Vergewaltigungen sind da doch unschön anzusehen, obwohl das Ganze deshalb noch kein zweiter "Last House on the Left" geworden ist) oder sich die damals gerade erst 19jährige Jennifer Jason Leigh in der Rolle der blinden Schwester von dem Killer terrorisieren lassen muss, was auch für einige geschmacklose Nudity-Schauwerte sorgt. Regisseur Ken Wiederhorn ist dabei als - ironischerweise - ausgesprochener Nicht-Fan des Horror-Genres ursprünglich doch bestimmt mal bestrebt gewesen, seinen Film nicht allzu sehr in schiere (S)Exploitation-Gefilde abdriften zu lassen, und bemüht sich darum auch um gekonnte Spannungsmache. Inhaltlich wirkt dieser Rückgriff auf einen recht altbackenen Krimi-Stoff inklusive der geschilderten Ermittlungs-Arbeit der Heldin zwischen alle den damaligen Teenager-in-Angst-Streifen dann auch fast schon klassisch zugeschnitten und recht charmant, auch wenn das Ergebnis da doch in erster Linie durch die erfolgte Brutalisierung der Morde sein Publikum zieht. Insgesamt besehen ist "Die Augen eines Fremden" aber doch ein relativ gut gealterter Vertreter der 80er Jahre-Psychopathen-Welle, der neben einem solchen überragenden Schocker wie dem bereits genannten "Maniac" durchaus bestehen kann, auch wenn er zu keiner Zeit zu einem Täter-Psychogramm wird wie dieser. Und ein paar nette Insider-Gags sind auch noch drin: In einer Szene läuft da Ken Wiederhorns eigener Unterwasser-Nazi-Zombie-Streifen "Die Schreckensmacht der Zombies" in der Glotze, in einer anderen George Romeros "Dawn of the Dead" im Kino. Etwas ähnliches wie hier - sprich: Das nachträgliche Hochjazzen eines kleinen Thrillerchens mit einem Mehr an Gewalt, um in einer anhaltenden Trendwelle zu einem Kino-Erfolg zu schwimmen - wurde ein Vierteljahrhundert später übrigens auch bei Roland Joffés "Captivity" versucht... mit einem aufgrund der erheblich suboptimaleren Ausgangslage allerdings weitaus weniger ansehnlichen Resultat...
7/10