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Kennen Sie auch schon „The Circle“?
Wenn nicht, dann bitte nicht wundern, denn dieser kleine Horrorfilm von der britischen Insel ist in der IMDB mit einer kleinen „IV“ gelistet, wenn es um diesen Titel und das Produktionsjahr 2017 geht, weswegen er praktisch kaum aufzufinden ist. Wer danach sucht, landet automatisch bei der ziemlich misslungenen Literaturverfilmung mit Emma Watson und Tom Hanks – und das ist nur einer von den typischen „Fehlern“, die diese kleine, aber innovativ gemeinte Produktion mit sich herum schleppt.

Wobei der Tralala-Titel noch nicht einmal das Schlimmste ist, aber es gibt wenig, an das man den Film und seinen Plot sonst gut hätte festmachen können, handelt es sich – wie schon dutzendfach gesehen – um die alte Mär von dem Grüppchen Leute, das sich zu einem entlegenen archaischen Ort aufmachen und dort dann ein ebenso archaisches Ende finden. In diesem Fall fährt ein Archäologie-Prof mit vier Studis (2m, 2w) auf eine abgelegene schottische Insel, wo sich ein Steinkreis befinden soll, der besagte „Circle“.
Mit an Bord ist Joe, der ein veritabler Arsch ist, seit sich die blonde Melody von ihm getrennt hat, was er aber nicht einsehen mag. Deshalb stalkt er sie praktisch auch auf dieser Reise, ohne zu wissen das sie inzwischen den Prof einreitet. Weiter im Team sind ein freundlicher Nasebohrer mit Ohrstöpsel und Streberliesl Claire, die zwar dem Prof auch gern mal an die Hose würde, aber natürlich übersehen wird, weil sie ja die ganze akademische Arbeit macht.

Die Spannungen steigen also schon während der Anreise, Beinahe-Unfall, dann ist das Charterboot nicht da und ein augenrollender Hafenmeister setzt das naive Grüppchen auf irgendeine bewaldete Insel über, wobei man sich von Anfang an nicht klar ist, ob das auch wirklich ihr Ziel sein soll.
Im dunklen Tann findet man dann die Überreste des Lagers eines anderen Campers, einen sauber gefugten Brunnen (der angeblich „römisch“ gemauert sein soll, aber sehr nach 2010 ausschaut), tote Schafe und final den besagten Steinkreis, dessen Einzelteile vielseitig bemalt sind. Als News, schöne Grüße und einige deftige Wikingerrunen. Wenig später gräbt jemand dann auch noch ne Luftwaffenuniform samt Skelett aus dem WK2 aus, ohne dass das für den weiteren Verlauf Sinn machen würde.

In der Folge muss natürlich was Übernatürliches passieren und siehe da, es gibt zweierlei: einmal eine „gothic“ gekleidete Uschi mit Latüchte, die wie eine Banshee schreit und dann das komplett am PC generierte Monster aus der nordischen Mythologie, welches nur mit Sonnenlicht zu bekämpfen ist. Der schlimmste Feind ist man sich aber selbst, wobei die Chose erträglicher wäre, wenn man Profi-Arschloch Joe nicht ununterbrochen einen schlimmen Tod wünschen würde.

Das alles trägt ganz klar das Prüfsiegel modernen Low-Budget-Filmschaffens. Die Darsteller sind engagiert, aber das Drehbuch wirft zu viel in einen Topf und schüttet es dann einfach quer über die Tafel. Die Schauwerte kommen, aber das CGI ist kostenbedingt nicht vollends überzeugend. Man wirft Dutzende Fragen auf, die man nie und nimmer auch nur zu beantworten versucht und am Anfang droht man sogar mit einer Found-Footage-Sequenz. Was wirkt, ist das allseits existente Gefühl, dass hier sehenden Auge ins Unglück gerannt wird, das „Doom Feeling“ ist im ersten Drittel praktisch ständig präsent. Aber wenn es dann in den Büschen raschelt, wird doch wieder nur eine große Rennerei daraus.

Gekrönt wird die Freshman-Film-Talentshow dann mit dem unvermeidlichen Schluss-Twist, der wirklich aus dem Außenfeld kommt und es tatsächlich schafft, den Zuschauer zu zwingen, den Film im Kopf noch einmal durchzugehen, um die Bilder mit neuer Bedeutung zu versehen. Aber deswegen funktioniert das noch lange nicht gut, auch wenn hier wieder mal ein bekannter Klassiker aus dem Public Domain zitiert wird, der eben 1962 wirklich noch clever war, jetzt aber im Kontext den Zuschauer eher vor den Kopf stößt.

Bisher in Deutschland noch unsynchronisiert, bin ich dem Film wirklich nicht böse, kann ihn aber nur als kompetentes, aber handwerklich und inhaltliches Flickwerk bewerten. Innovation ist da nicht zu sehen, hier wird Bekanntes und Bewährtes neu angeordnet und dann auf einen Geniestreich gehofft. Die Macher sind aber auch keine Spielfilmprofis, sondern haben bisher für den Standup Ross Noble (der hier auch mitspielt) diverse Videodokumentationen gedreht, insofern sehe ich das gern nach.

Für wirkliche Aha-Erlebnisse reicht es leider noch nicht und die Pointe setzt der Verwirrung die Krone auf, aber immerhin war man stets bemüht, insofern 4/10.

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