iHaveCNit: Out Of Play (2020)
23.07.2020
Regisseur Gavin O´Connor hat bereits zwei Sachen bewiesen. Er kann gut mit Ben Affleck zusammenarbeiten - in „The Accountant“ - und realistische bodenständige Dramen mit Bezug zum Sport inszenieren – in „The Warrior“. In „Out Of Play“ kombiniert er beides miteinander, packt etwas Basketball mit in den Mixer und bekommt einen Film, der mich komplett mitgerissen hat.
Einst war Jack Cunningham ein begnadetes Talent im Basketball, doch er hat sich damals gegen eine große Karriere entschieden. Mittlerweile arbeitet er auf dem Bau und ist sonst nur noch damit beschäftigt, immer und überall Alkohol jeglicher Art zu tilgen. Als er ein Angebot seines ehemaligen Schuldirektors erhält, das Team seiner ehemaligen Schule zu trainieren und auf Vordermann zu bringen, trifft er nur mit Widerwillen die Entscheidung. Der sich daraus ergebende Ehrgeiz auch einen positiven Effekt auf seine Sucht, doch kann er dieser widerstehen, wenn alte Wunden wieder aufbrechen ?
„Out Of Play“ erfindet zwar das Rad im Bezug auf Sportlerdramen nicht neu. Dafür überzeugt er aber auf einer komplett anderen Ebene – die durchaus ihren Bezug auch in der Realität hat. Wenn ein Schauspieler auf eigene Erfahrungen zurückgreifen kann, dann kann er auch eine absolut realistische, bodenständige, authentische und überzeugende Darstellung liefern. Klar könnte diese Aussage widerlegt werden, aber hier trifft diese Aussage den entscheidenden Dreier. Ben Affleck, der selbst mit seiner Alkoholsucht zu kämpfen hatte, weiß genau worauf er sich mit der Rolle des Jack Cunningham eingelassen hat. Unabhängig davon, welche Rollen er bereits in seiner Vita vorzuweisen hat, so komme ich zu dem Schluss, ihn nie besser gesehen zu haben als hier in „Out Of Play und ich wünsche ihm vielleicht sogar ein wenig Würdigung durch Berücksichtigung bei künftigen Filmpreisen. Der Film schafft es mit einem eher grauen, tristen und körnig rauen Bild sowie einem eher dezenteren, wummernden und dumpfen Soundtrack die Grundstimmung perfekt einzufangen. Der Schnitt des Films ist dazu auch sehr effektiv. Auch wenn das Rad nicht neu erfunden wurde, hat mir der Anteil des Sportlerdramas um die Basketball-Mannschaft auch sehr gut gefallen, weil die Teamdynamik in Ansätzen großartig ist und die kleineren Nebengeschichten um ein paar der Spieler sich großartig in den Film eingefügt haben. Ich hätte davon gerne mehr gesehen. Allgemein hat der Film mich komplett mitgerissen und alle meine Emotionen bedient. Ich war über die Ausmaße des Alkoholismus geschockt, ich habe mit dem Basketballteam und mit Jack Cunningham gefiebert und bei seinen persönlichen Schicksalen durchaus die ein oder andere Träne verdrückt. Ich habe gelacht und den Kinosaal nach dem Film mit einem guten Gefühl verlassen – auch wenn ich natürlich noch gerne viel mehr gesehen hätte. Aber dafür kann ich ihn ja durchaus auch mehrmals im Kino schauen oder später im Heimkino.
„Out Of Play“ - My First Look – 9/10 Punkte