Badesalz, so die Erläuterungen auf DVD, ist kein wohlriechender Badewasserzusatz, sondern eine Weltanschauung. Und wie das mit Weltanschauungen so ist, kann man damit etwas anfangen oder nicht, dementsprechend zwiespältig kam der Film auch beim Publikum an: die eine Hälfte amüsierte sich königlich, die andere Hälfte war schwer enttäuscht. Ich für meinen Teil amüsierte mich königlich und hoffe immer noch, daß der erste Film der beiden hessischen Urgesteine Gerd Knebel und Hendrick "Henni" Nachtsheim nicht auch der letzte war.
Filmbeschreibung
Die DVD startet mit einem (Fast-) Monolog von Knebel, wie toll doch das Kino sei, und wie gerne sie (Knebel und Nachtsheim) im Film mitgespielt hätten. Während des Abspanns zeigen die beiden sich nochmals dem Publikum in ihren abwaschbaren Kostümen. Dazwischen entfaltet sich ein Film voll Boshaftigkeiten und Andeutungen, so manche Bevölkerungs- und Berufsgruppe kriegt ihr Fett weg, in der einen oder anderen Rolle dürfte so mancher geneigte Zuschauer sich (oder vielleicht doch lieber den Nachbarn) entdecken.
Der Film selbst ist in eine grobe Rahmenhandlung gehüllt, die sich schnell zusammenfassen läßt: Erich, ein Versicherungsvertreter, Modell Yuppie (geschniegelt, gestriegelt, 3er-Hartge-BMW-Cabrio) hat einen Termin bei einem Kunden in einem ziemlich heruntergekommenen Hochhaus. Bei der Benutzung des Super-Size-Fahrstuhls bleibt er mit selbigem stecken und trifft dort auf den Richard, Modell Penner (dreckig, unrasiert, Super-Size-Fahrstuhl), der ihm zunächst suspekt vorkommt, ihn aber dann (schon zwangsweise) näher kennen lernt.
Im Laufe des Dialogs zwischen Erich und Richard werden immer wieder kleine Episoden eingespielt. Die sind eigentlich durchgängig gut gelungen, haben aber manchmal nur sehr bedingt mit der Rahmenhandlung zu tun, was der Witzigkeit aber keinen Abbruch tut. Neben Knebel und Nachtsheim in massenweise Kostümierungen und Rollen tauchen auch allerhand andere Schauspieler auf, herausragend Martin Armknecht als schmieriger Makler und Ottfried Fischer, letzterer hat eine schwergewichtige Rolle als hessisch babbelnder U-Boot-Kapitän inne und ziemlich gut hingekriegt, der Bayer dürfte somit wohl als Hesse ehrenhalber durchgehen.
Die Themen der einzelnen Episoden sind weitgefächert und reichen von offensichtlich alternativ begabten Sicherheitsfachkräften, Plünderungen, einem Damenkränzchen mit kettensägeschwingendem Psycho-Sohn, über dummschwätzende Kassiererinnen zu einem Abiturienten in einer Arbeiterkneipe, BSE (damals aktuell) wurde mitgenommen, der Fitneßwahn (heute etwas abgeflacht) wurde beehrt, die ausgesprochen familiäre Atmosphäre eines Bahnhofs wird ausführlich mit Dealern, Neonazis, Obdachlosen und, äähm, sagen wir mal selektiven Sicherheitskräften glaubhaft dargestellt. Unvergleichlich und mein persönliches Highlight ist die bereits angesprochene U-Boot-Szene. Vielen Sketche führen mehr oder weniger die weitverbreitete Gleichgültigkeit innerhalb der Gesellschaft vor Augen. Wenn ich dem Film eine Aussage unterstellen wollte, würde ich ihn einen Appell gegen eben diese Gleichgültigkeit nennen. Ob das gewollt oder Zufall ist, bleibt aber unklar.
Lediglich das Ende war beinahe leicht absehbar, aber das sei dem Film nach so vielen guten Momenten verziehen, außerdem muß das Kinopublikum ja langsam wieder heruntergefahren werden.
Fazit
Natürlich ist dieser Film ein recht zwiespältiger, Schenkelklopfer-Humor bietet sich einen bunten Reigen mit Boshaftigkeiten und teilweise schon feinem Wortwitz. Daß das nicht jedem gefallen kann, ist eigentlich klar, so daß die meisten den Film wohl entweder total genial oder total bescheuert finden werden. Wer an den CDs und der Serie Freude hatte, kann aber mit einer recht guten Chance rechnen, diesen Film gut zu finden; wer aber durchgängigen Slapstick á la "Die nackte Kanone" erwartet, sollte sich lieber nach einem anderen Film umsehen.