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20 Jahre lang sorgte Marshall Frank Patch in der Stadt Cottonwood Springs für Recht und Ordnung. Doch jetzt mit dem Einzug des neuen Jahrhunderts haben die Stadträte nur noch den Fortschritt im Kopf. Und mit diesem lässt sich der alte Marschall, ein Relikt vergangener Zeiten, nicht vereinbaren. Doch Patch weigert sich, sein Amt aufzugeben. Er pocht auf ein altes Versprechen, dass er das Amt so lange ausüben könne, wie er will. Also beschließt man, ihn zu beseitigen.


Richard Widmark starb heute vor 18 Jahren im Alter von 93 Jahren. Neben vielen Filmen hinterließ er der Welt auch indirekt das Pseudonym Allen Smithee (später Alan Smithee), hinter dem sich unzufriedene Regisseure lange versteckten. In diesem Fall war dies Robert Totten, der aufgrund von Unstimmigkeiten mit Widmark von Don Siegel abgelöst wurde. Der aber hielt den Film nicht für seinen, so dass beide Regisseure nicht genannt werden wollten. Die Directors Guild of America (DGA) erfand daraufhin das Pseudonym für diesen Film. Es wurde anschließend sogar nachträglich für einen älteren Film (Fade in aka Iron Cowboy) verwendet.


Trotz dieser Querelen ist der Film handwerklich solide inszeniert, was laut Siegel faktisch weitgehend Widmark übernommen haben soll. Er bietet ein paar ordentliche Shoot-outs, doch insgesamt entfaltet sich seine Geschichte viel zu behäbig. Die Charakterzeichnung sämtlicher Figuren bleibt zudem recht eindimensional. Widmarks Patch ist einer dieser stoischen Westernhelden mit jahrzehntelanger Erfahrung und angeborener Sturheit, ansonsten aber frei von nennenswerten Facetten. Die Antagonisten im Stadtrat sind wandelnde Klischees unzufriedener Politiker und Bürger mit Geld, die ihre Geschäfte bedroht sehen. Ein dunkles Geheimniss wirkt dabei als Motivation für sanktionierten Mord eher unzureichend. Einzig John Saxon vermag als Bezirks-Sheriff Akzente zu setzen, hat jedoch zu wenig Screentime und ist daher nicht viel mehr als eine Momentaufnahme aus der weitgehend unbekannten Vergangenheit des lästigen Marshalls. Mit ihm wäre ein schön dramatisches Finale passend zum Titel möglich gewesen, aber das hätte vermutlich nicht in den historischen Kontext des „Westens im Wandel“ gepasst.

So bleibt Widmarks Präsenz der stärkste Anker des Films. Doch das allein macht den Film nicht spannender. Und eine dieser Höllenmaschinen (diese neumodischen Kutschen ohne Pferde) lässt die klassischen Western-Vibes immer wieder verpuffen. Doch auch ohne Nervenkitzel oder emotionale Tiefe wurde der Film des „neuen“ Regisseurs Allen Smithee von Kritikern gelobt. Er sei präzise und mit geschicktem Gespür für scharfe Hintergrunddetails inszeniert. Da darf man aber geteilter Meinung sein.


Frank Patch ist ein solider Western ohne große Höhepunkte. Ordentlich inszeniert, mit einem routinierten Hauptdarsteller, aber narrativ flach und ohne bleibenden Eindruck. Anschaubar, aber genauso schnell vergessen wie er verzichtbar ist.


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