Der von Antonio Campos nach dem Buch von Donald Ray Pollock inszenierte Film begleitet eine Schar Figuren in manchen Lebensabschnitten durch die 1950er und 60er Jahre. Manche Wege kreuzen sich dabei mehrfach, manche bleiben ein einmaliges Ereignis. Eine Gemeinsamkeit gibt es dabei aber: es geht nicht gut für sie aus.
Denn die Leute aus der Gegend in Ohio rund um die abgelegene Ortschaft Knockemstiff sind auf diverse Weisen unangenehm. Wobei das eigentlich noch ein Euphemismus ist. Denn in Campos‘ Drama hat man es ausschließlich mit Unsympathen zu tun. Entweder mit verblendet-religiösen Spinnern, einem mordenden Pärchen, naiven Landeiern (wieder das Thema mit dem Kreuz), mit korrupten Bullen oder einem sich in Selbstjustiz übenden Burschen. Scheinbar will man Letztgenannten noch als positiv bewertete Person verkaufen, aber nein, klappt nicht.
„The Devil all the Time“ ist ein Film voller Charaktere, die mich abstoßen. Und das nicht auf eine Weise, die einen Film sonderlich genießbar macht. Ich unterstelle dem Produkt einfach mal, dass das auch nicht seine Absicht war. Aber wenn ich mir über zwei Stunden lang fanatische Prediger oder Leute, deren Glaube als Lösung herhalten oder eben schießwütige (vermeintlich) Rechtschaffende ansehen darf, hält sich der Spaß in Grenzen.
Vorgetragen wird das Ganze auch noch in einem breiten Dialekt, der die Handelnden gleich noch eine Ecke einfältiger wirken lässt, dazu kommt diese typische Netflix-Optik. Also flaches Bild und reduzierter Kontrast mit ebensolcher Farbpalette. Und so freudlos wie die Präsentation ist dann auch die Botschaft, die die Leute mit ihrem Schicksal auf die Mattscheibe transportieren.
Nichts gegen deprimierende Filme, die Brechreiz ob der Blödheit der Figuren hervorrufen. Aber irgendwo hätte ich gerne einen Anknüpfungspunkt gehabt und der blieb mir bei diesem Panoptikum an verstrahlten Ignoranten einfach verwehrt. Einzig vielleicht noch in dem von Riley Keough gespielten Charakter Sandy findet man sowas wie einen aufkeimenden Willen zur Veränderung. Der Rest steuert stur geradeaus auf seiner vorgegebenen Bahn ohne Entwicklung auf seinen Abgrund zu. Generell hat Campos‘ Werk das Problem, diese Vielzahl an Figuren nur oberflächlich zu charakterisieren. Für mehr findet er trotz der ausgedehnten Laufzeit keinen Raum, weil er sich für zu viel eben zu viel Zeit lässt.
Die Besetzungsliste liest sich dabei nicht schlecht, man hat mit Bill Skarsgard, Tom Holland, Jason Clarke, Sebastian Stan, Robert Pattinson oder Mia Wasikowska bekannte Namen dabei, die einen auch mal hören lassen, dass ein Brite wie ein Hillbilly klingt. Einerseits kann man sagen, dass das hier keiner schlecht spielt. Anderseits musste ich mehr als einmal dann doch laut lachen, obwohl es vom Film nicht intendiert war (Stichwort Auferstehung). Doch lacht man nicht mit den Figuren, sondern über sie. Bei so viel Ignoranz schalte ich irgendwann eben auf Durchzug.
Dabei ist die Konstruktion des Werks mit seinen Elementen des Film noir an sich durchaus interessant. Die Zeitsprünge vor und zurück, das Vorbereiten der Aufeinandertreffen und die Erzählungen, wie sich wer wohin entwickelt hat bleiben übersichtlich und sind handwerklich okay erzählt. Nur teils sehr, sehr langsam und eben mit Figuren, mit denen ich ob ihrer Art emotional nicht mitgehe. Dazu in einer langweiligen, weil schon zu oft von diesem Anbieter gesehenen Optik. Da mag das Szenario autobiographische Züge tragen, da mag das alles tragisch und aufwühlend sein, mich hat das nicht erreicht. Eine Studie darüber, das Religion und Menschen böse sind. Danke, weiß ich auch so.