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Playgirl ist nicht nur heute relativ unbekannt, zu seinem Erscheinen mußte Will Tremper auch selbst in die Rolle des Verleihers schlüpfen, um den seinerzeit in Deutschland nicht feiertagsfrei ab 18 Jahren freigegebenen Film in die Kinos zu bringen. Daß sich im Lande etwas getan hat, mag sich an der heutigen, etwas unverständlichen, Freigabe ab 6 Jahren ablesen lassen, jedoch bleibt Trempers Werk in seinem Wesen durchaus ein sehr modernes Stück Kulturgut.
Bereits seine Eröffnung erinnert mehr an die Nouvelle Vague als an übliche bundesdeutsche Regisseure. Sein chronologisch geraffter Einblick in den Alltag einer Lebefrau bezieht seine Stärke aus der reizvollen Grazie Eva Renzis, die Tremper musisch zu seiner nahezu dokumentarischen Erzählung inspiriert hat.

In Playgirl geht es um eine Frau, die es versteht sich die Männer um den Finger zu wickeln, die sie nach ihren Belieben nimmt. Mit ihrer ungestümen Art, ohne um den heißen Brei zu reden das Ruder in die Hand zu nehmen, verkörpert sie einerseits den Traum der schüchternen maskulinen Seite, die sich wünscht, Bedürfnisse und Zuneigung auf eine so direkte Weise kommunizieren und sich durch das Begehren geschmeichelt fühlen zu können. Gleichwohl aber birgt diese Offensivität einen Konflikt mit den männlichen Ängsten gegenüber anderen den Kürzeren zu ziehen – ein Grund, warum sich das Weib über Jahrhunderte dem Manne Untertan machen mußte, weil es im Ursprung nämlich eben an seinem Selbstbewußtsein mangelt.
Als Alexandra gibt Eva Renzi ein um die Welt jettendes Fotomodel, das einer alten Affaire nach Berlin nachreist, um mit Ausreden abgespeist zu werden. Playgirl ist geprägt von einem Weltbild, welches nicht förmlich ausgesprochen doch beinhaltet, daß die männlichen Triebe nach einer altertümlichen Vorstellung entladen werden müssen, während die die Frau um ihren Ruf zu fürchten hat.

Alexandra scheint durch ihre Lebensart nicht unbedingt benachteiligt, jedoch muß sie ihre Spielposition eben auch in einer Männerwelt suchen, in der sie ein Flirt neben der Verlobten und der Affaire sein kann, wobei sie eigentlich in ihren Experimenten nach einer erfüllten Liebe suchend wirkt. Interessant in diesem Zusammenhang ist ihr spontanes Engagement bei einem Fotografen, der sie herrisch zu seinem Objekt macht und schließlich unerbittlich um ihren Preis feilscht.
In Nuancen nimmt Will Tremper ferner einen alltäglichen Zeitgeist auf, vornehmlich, indem er seine Figuren einfach reden läßt. So wird die Berliner Mauer für einen amerikanischen Fotografen zu nicht mehr als einem Backdrop und überhaupt scheint es für eine kriegsfremde Generation kaum noch bewußt, welche jüngere Geschichte die geteilte Stadt besitzt. Es wurde mal dort gekämpft, weiß Alexandra, fragt zugleich, wie es denn “mit diesem Hitler” gewesen sei. Naiv wirkt sie, bei ihrem überfürsorglichen Bemühen, ihrem dunkelhäutigen Nachbarn Unterstützung anzubieten, da er ja bestimmt oft benachteiligt würde – was dieser gar nicht nachvollziehen kann. In dieser Situation wirkt sie ungewollt ebenso rassistisch, wie ihr Gesprächspartner an anderer Stelle mit seinen plumpen Äußerungen. Andererseits zeugt ihr Verhalten davon, daß sie eben nicht nur körperliche Liebe zu geben hat.

In einer Kinokultur zwischen Klamauk und Schwermut bietet Tremper mit Playgirl vornehmlich Perspektiven mit unterhaltsamem Anstrich. Bemerkenswert an dieser Stelle für Musikfreunde der Soundtrack, welcher unter der Leitung von Peter Thomas u.a. mit Klaus Doldinger, Ingfried Hoffmann, Peter Trunk und Rafi Lüderitz entstand. In einer Barszene ist außerdem Paul Kuhn am Klavier zu bewundern, wie er das Ende des Abends besingt.
Playgirl ist ein popkultureller Ausschnitt ohne bestimmende Moral, beschäftigt sich schließlich den Lebenssinn auf zwischenmenschliche Beziehungen reduzierend mit dem Streben nach Perfektion und Erfüllung, was dem Film seine Aktualität nicht nehmen kann. Heute sicher nicht mehr provozierend wird diese interessante Momentaufnahme vornehmlich gestützt durch Eva Renzi, welche sich keck in Szene setzt – ein bisschen verrückt eben und daher liebenswert.

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