Review
von Leimbacher-Mario
Songs & Balls & Hearts of Glory
Wer auf (immer sehr ähnlich ablaufende) Will Ferrell (Sport-)Komödien steht, deren flachen Humor feiert, und wer dann gleichzeitig auch noch dem Eurovision Song Contest positiv zugeneigt ist, dieses Jahr in beiden Beziehungen etwas Entzugserscheinungen hat, der MUSS diese Netflix-Perle einfach gern haben. Wir folgen einem liebenswerten, weirden Gesangsduo aus Island, deren Traum es schon immer war bei dem titelgebenden europäischen, immer leicht bis deutlich trashigen Musikwettbewerb mitzumachen - doch als sich ihr größter Wunsch dann endlich zu erfüllen scheint, kommen einige emotionale, einige amüsante und einige schlicht bizarre Hindernisse auf die beiden verwirrten Turteltäubchen zu - u.a. ein zu langer Schal, ein aufdringlicher Sänger aus Russland (absolut genial und alle Szenen stehlend: Dan Stevens!) und die Vorurteile und der Gegenwind aus der eigenen Heimat...
„Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ profitiert davon, dass ich den ESC sehr gerne gucke, immer etwas hin- und hergerissen bin, ob ich jetzt mit oder über die Chose lachen soll, ob das seiner Zeit voraus oder längst überholt ist, ob das so naiv ist, wie es tut oder der Welt in seiner Buntheit und Offenheit einfach gut tut. So oder so: dieser Gute-Laune-Kracher fängt das Gefühl und die Emotionen, die an dem kultigen Wettbewerb hängen, ideal ein, beide Seiten, sowohl die stolze als auch die cringy. Man merkt von Beginn an deutlich, dass allen Beteiligten etwas an der Show, der Legende und dem Konzept liegt, alle quasi Fans sind, sodass selten über die und eher meist mit der farbenfrohen Veranstaltung gelacht wird. Einige Songs sind absolute Ohrwürmer, der Sing-a-Long in der Mitte mit etlichen echten ESC-Stars ist fantastisch und McAdams und Ferrell haben erstaunlich Chemie, beide Multitalente können auch noch (zum Teil herausragend) singen. Das Flair und der positive Geist des ESCs wird erfreulich genau eingefangen/rübergebracht, nach „Jaja Ding Dong“ und eigentlich dem kompletten Teil, kann man einfach keine miese Miene mehr ziehen. Selbst wenn das Spektakel vielleicht keine satten zwei Stunden hätte gehen müssen. Ich habe laut gelacht, oft mit dem Kopf genickt oder dem Fuß gewippt, „Husavik“ hätte das Zeug den Contest in echt zu gewinnen und ich bedauere es schon ein gutes Stück, dass Corona dieses Jahr auch den ESC weggeblasen hat, da Ferrell sich dort einen (Promo-)Auftritt zu dieser köstlichen Komödie sicher nicht hätte entgehen lassen. Immerhin ist „sein“ Film ein gutes Ersatzprodukt und eine echter Stimmungsaufheller.
Fazit: Liebe, Lachen, Lieder - Ferrell & McAdams sind ein überraschend süßes Paar, die Außenseiterkomödie ist immer wieder sehr lustig und wird obendrauf dem ESC sogar noch gerecht, lacht viel eher mit als über ihn. Eine Kunst. Wundervoll. Herzlich. Ein sicherer Publikumsliebling. Und ein Must-See für jeden, der sich auch nur sporadisch für den kultig-kuriosen Songcontest interessiert. 10 Points!