Liebe ist ein Messie
Liebe verläuft nicht in geraden Bahnen,
in ihr ist oft eine Spur Chaos zu erahnen.
„The Half of It“ fängt diesen unberechenbaren Wirbelsturm süß ein,
und könnte nicht weiter entfernt von sonstigen Netflix-Teen-Rom-Coms sein.
Da ist's fast schade, dass Alice Wu nicht regelmäßig dreht,
denn in seinen besten Momenten diese Dreiecksbeziehung neben den ganz Großen steht.
Nicht nur gay, nicht nur jugendlich, sondern vor allem authentisch und echt,
ist nur manch ein etwas steifer Dialog und die oft theaterartige Inszenierung eher cringy als recht.
Dennoch ist diese komplizierte Liebes- und Freundschaftsgeschichte für mich ein Gewinn,
selten ergaben die unergründlichen Wege des Herzens mehr seltsamen Sinn.
Auch ohne Happy End oder übliche Pfade,
hat diese Highschoolstory eine sehr sensible Gabe.
Die Jungdarsteller wirken echt und sympathisch, positiv unbeholfen und tollpatschig,
hier wird oberflächlicher Kitsch beiseite geschoben und gestampft matschig.
Romantische Komödien über verwirrte Teenagerherzen,
müssen also tatsächlich nich immer mit den gleichen Mustern langweilen und schmerzen.
Mit weisen Zitaten und universellen Wahrheiten, mit spontanen Küssen und subtiler Religionskritik,
trägt diese halbstarke Geschichte niemals auf zu dick.
Und die Nebenstory über den filmliebenden Vater und das Fremdbleiben in Amerika,
war für mich vielleicht sogar der heimliche Star.
Fazit: belesen und bekehrt, erlesen und nicht verkehrt - „The Half of It“ ist zwar kein „Love, Simon“, aber dennoch eine wunderbar frische und ehrliche Art, Cyrano de Bergerac leichtfüßig zu kippen, zu modernisieren und neu anzustreichen. Von Herzen schön!