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Ein Mann, eine Frau und ein Kleinwüchsiger ziehen durch die Einöde und sinnieren über das Leben. Der Zwerg fängt an, übergriffig gegen die Frau zu werden, was zunächst auf Widerstand seitens der männlichen Begleitung stößt. Später mehren sich jedoch die Gewalttaten und es kommt zu einer schrecklichen Triebtat.

Marian Dora ist wohl eine der größten Kuriositäten des deutschen Films. Gleichsam verhasst und von relativ penetranten Fans vergöttert, konnte der unter Pseudonym agierende Herr vor allem mit „Melancholie der Engel“ viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und hierbei vor allem aufgrund der reellen Aspekte seiner Filme immer wieder auffallen. „Pesthauch der Menschlichkeit“ wurde lange als extremstes Werk seiner Filmographie angepriesen und die Gerüchteküche brodelte. Die Erwartungshaltung wird leider nicht erfüllt.

Zunächst einmal wäre da der aufgezwungen wirkende „Tiefgang“, der bei näherer Betrachtung mehr als oberflächlich erscheint. Irgendwo geht es sicherlich um Ethik und die Verantwortung, die der Mensch der Natur gegenüber hat, aber dies wurde leider relativ plump bewerkstelligt und kommt dem geschulten Auge sehr aufgesetzt vor. Weiterhin schockieren die gängigen Tropen des Regisseurs (sexuelle Gewalt bzw Perversion und Gewalt gegen Tiere) nicht mehr. Hat man alles schon heftiger gesehen und altbacken wirkt es auch. Natürlich wird in „Pesthauch der Menschlichkeit“ nicht mit Körperflüssigkeiten gespart, aber hier scheint wohl auch mehr gestellt worden zu sein, als der gängige Käufer von „kontroversen Filmen“ wahrhaben möchte.

Positiv muss hier die Inszenierung (aka die Landschaftsaufnahmen) und die zumindest halbwegs originelle Charakterkonstellation erwähnt werden. Geneigte Zuschauer werden eventuell auch eine Verbeugung vor dem klassischen Exploitationfilm der 80er erkennen, denn das Gezeigte erinnert schon irgendwie an „Nackt und Zerfleischt“. Dies ist natürlich auch dem leidigen Tiersnuff geschuldet, der schon ad infinitum besprochen und kritisiert wurde. Aber auch hier scheint viel gestellt worden zu sein und es ist denkbar, dass keines der Tiere wirklich sein Leben lassen musste. Zu hoffen wäre es mal.

Fazit: Mehr gewollt als gekonnt! Dora reproduziert sich mal wieder selbst und spätestens jetzt sind die Abnutzungserscheinungen nicht mehr zu leugnen. Die angebliche Message überzeugt nicht und auch ansonsten versucht man auf Krampf zu schockieren und den alten Wein in neue Schläuche zu füllen. Freunde sexualisierter Gewalt dürften aber unterhalten werden und die finale Szene, in der durch „subtile“ (hust hust) Schnitttechnik Parallelen zwischen Mensch und Tier gezogen werden, verfehlt ihre Wirkung zumindest nicht gänzlich. Dennoch wäre man sicherlich mit echten Kunstfilmen und/oder echter Pornographie weitaus besser bedient – denn wer Dora kennt, kennt auch die immer gleichen Tricks, mit denen auf Biegen und Brechen Kontroversen erzeugt werden sollen. „Pesthauch der Menschlichkeit“ war beim zweiten Ansehen besser als beim ersten, keine Ahnung warum.

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