Review

Spaziergang des Grauens


Im Rahmen seines Doublefeatures zusammen mit "Das Verlangen der Maria D." inszenierte Marian Dora, Schaffenskünstler eigener Kuriositätenwerke, diesen schwer verdaulichen Beitrag zur Thematik "Tiefe Abgründe der menschlichen Seele" mit dem doch so beachtlich passenden und doch sarkarstischen Titel "Pesthauch der Menschlichkeit", was letztendlich übersetzt nicht weniger bedeutet wie >Null Menschlichkeit, kein Respekt dem Leben gegenüber<.

Es beginnt alles so idyllisch; eine kleine Gruppe, namentlich nicht benannt, erst im Abspann ersichtlich, aus einem Pfleger, einer jungen Praktikantin und einem kleinwüchsigem, wohl deutlich wahrnehmend, geistig behinderten, dem keine Ekelhaftigkeit zu peinlich ist; machen sich eines schönes Sonntagnachmittags auf, einen Spaziergang ausserhalb der anmutenden Pflegeeinrichtung durch Wald und Hain zu unternehmen. Was zuerst als Bewährungstag für die junge Frau beginnt, endet schlicht und übel in einen mündenden Alptraum.

Dora, der am Set wieder fast das gesamte Ruder übernahm, wie in allen seiner Filme, lotet mit "Pesthauch der Menschlichkeit" wieder alle Grenzen der Erträglichkeit aus und bedient sich wieder seiner bekannterweisen Stilmittel ergo dem Tiersnuff und dies in expliziter Veranschaulichung ohne Rücksicht auf Verluste.

Jörg Wischnauski spielt den "Anführer" des Trios, als "Weiser Mann", der die ganze Zeit wirres Zeug von sich gibt, sich später als perversen Spanner und Handlanger herausstellt, um seiner gestörten Beziehung zur Sexualität zu frönen, während Johnatan Maria von Gross, den geistig kranken Kleinwüchsigen spielt, der Wutausbrüche nicht zügeln kann und später zum Mordwerkzeug für den Pfleger wird.Und letztendlich Marietta Fiori, das ruhige und schüchterne Mädel, das den Gelüsten der beiden Männer zum Opfer fällt.

Anspruch und Tiefe kann man bei dieser pseudopsychologischen Gewaltstudie nicht erwarten, genausowenig eine Story, der man folgen könnte. Dora zielte eher darauf ab, zu zeigen, wie sich Menschen entwickeln oder welche Dämonen in Ihrer Seele schlummern und so lässt er die Grenzen verschwimmen zwischen Freude, Unschuld, Toleranz, Machtbessesenheit und Dominanz, bishin zur Gleichgültigkeit, Demütigung und Erniedrigung, letztendlich Perversion und Boshaftigkeit,sexuellem Missbrauch sowie unkontrollierbaren Gewaltausbrüchen.Somit kann man den Streifen als menschliches Filmexperiment durchgehen lassen.

Unterlegt mit ruhiger und fröhlicher Musik beginnend, steigert sich die menschliche Dramatik ins Unermessliche und ufert in Exzessen ungekannten Ausmasses aus. Dabei wird auch nicht vor dem Einsatz körperlicher Ausscheidungen zurückgeschreckt: Urinieren, defäkieren, um Macht und Erniedrigung zu zeigen, Penetration und körperlicher Missbrauch, als Mittel zum Zweck, die Gewaltspirale hochzuschrauben und diese visuelle Gewalt in abartigster Weise auf Kamera festzuhalten.

Die aufgespiessten Ferkel dienten metaphorisch dazu, dem Zuschauer zu vermitteln, wohin die Reise am Ende des Tages geht und so wird eine reichlich ausgedehnte Pfählung mittels Stock ausführlich durchgeführt, wobei wohl Ruggero Deodato's Kannibalenklassiker "Cannibal Holocaust" als Inspiration gedient haben dürfte. Die Täter werden nicht gesühnt, kommen davon; dabei ging es aber nicht, sondern um das eigentliche Ausmass der Verunmenschlichung in freier, unberührter Natur, die letztendlich verschandelt wurde,zu visualisieren.

Was zurückbleibt, sind Eindrücke des Entsetzens und der Fassungslosigkeit gegenüber dem Gezeigten. Zwischenmenschlicher Horror, weit abseits jedens Mainstream Gesplattere und das durchaus effektiver.

Zeitgleich wurde auch "Das Verlangen der Maria D." gedreht, wie bereits bei Sichten dieses Titels, kreuzen sich unbekannterweise die Wege der Figuren aus beiden Filmen kurz.

Doraprägender verstörender Terrorschocker, verbrämt maskiert, der durch seine grenzenlose Gewaltdarstellung erschüttert, aber diesmal weniger auf Sinnessuche geht. Aber für Fans des Masters of Death trotzdem einen Blick wert.


Anmerkung zur Freigabe des Films: auf alle Fälle ab 18 zu geniessen; extreme Gewalt und Koprophilie sind nichts für zartbesaitete!

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