Review
von Leimbacher-Mario
Der Kopie-Kater danach
Nach „Isi & Ossi“ erst der zweite komplett von Netflix finanzierte, produzierte Film aus Deutschland - „Betonrausch“, vom Macher von „Asphaltguerillas“, erzählt die faszinierende, auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte eines geldgierigen, nahezu gewissenlosen Betrügers, der mit einem Kumpel im Baugewerbe großspurig Leute über den Tisch gezogen hat - tja, bis das Ganze natürlich auffliegt und die Sause brutal auf den Boden klatscht!
„Betonrausch“ geht nur knackige 90 Minuten, was Pro und Contra zugleich ist, und man hört hier momentan oft Vergleiche zu „Wolf of Wall Street“, „The Big Short“ oder „American Made“, wo auch minimal etwas dran ist. Dennoch tun dem deutschen Projekt solche unfairen, unerreichbaren Vergleiche und Erwartungen natürlich nicht gut. Selbst wenn er natürlich ambitioniert schon nach dort oben schielt und, fast schon süß manchmal, definitiv Momente und Szenerien zu kopieren versucht. Natürlich misslingt das und wirkt klar wie Selters statt Sekt, wie Wanne-Eikel statt Wall Street. Für sich genommen kann man diesen Moneytoe-Rausch aber schon gut weggucken - wenn man die Messlatte deutlich tiefer hängt. Das Tempo ist hoch, der Style ist bemüht, die Parties sind heiss, die Thomalla ist 'ne Hure, den pfiffigen Lau mag man immer, hochwertig produziert steht außer Frage und die Aussagen („Menschen ändern sich nicht. Gier ist nahezu unstillbar und grenzenlos. Dreistigkeit und Dummheit auch.“) bleiben ambivalent und (positiv) frustrierend. Doch im Kern und im Ganzen, ist das alles viel zu vorübergehend, viel zu oberflächlich, viel zu davongehuscht, nur angeschnitten und wird es sich viel zu leicht gemacht. Alles nur seelenlose, unsympathische Skizzen von Menschen, die einem egal sind, alles nur unglaubwürdige Aktionen und Übertreibungen. Nur dann leider auch nicht comichaft genug überzogen. Alles bleibt zahm und blass. Und deswegen im Endeffekt wenig prickelnd, eher schäumend und möchtegern, nicht unähnlich seiner Protagonisten. Was ja dann wieder passt. Grundsätzlich und mehrwertlos.
Fazit: sieht schnieke aus, geht gut nach vorne, ist in Spiellaune und hat hohe Ambitionen, Vorbilder, Ziele - dennoch wirkt „Betonrausch“ nie wie Grey Goose sondern immer nur wie Gorbatschow. Der Vodka geht aufs Haus!