Review

Mobbing war schon immer ein fieses Ding in der Schule, obgleich diverse Aktionen in früheren Jahrzehnten deutlich direkter abliefen. Meist solange, bis das Opfer entweder langweilig wurde, weil es sich rein gar nicht wehrte, oder bis es endlich zurückschlug, was etwa in den Achtzigern wörtlich zu nehmen war. Im Zeitalter des Cybermobbings verlaufen derartige Aktionen überwiegend perfider und zugleich feiger und dennoch sind die Konsequenzen deutlich weitreichender wie es nun mal die Natur des Internets ist. Langfilmdebütant Adam Dick geht noch einen Schritt weiter und greift die oftmals verschwimmenden Grenzen zwischen Opfer und Täter auf.

Englischlehrer James (David Dastmalchian) ist noch immer traumatisiert von dem Leid, welches er als Kind durch seine Mitschüler erfuhr. Nun spielt sich in seiner Klasse ein ähnliches Drama ab, da die beiden Außenseiter Preston und Daniela regelmäßig Opfer des Baseballspielers Tim (Curtis Edward Jackson) und seiner Clique sind. Als James die richtigen Schritte in Richtung Gerechtigkeit beschreitet, wird er von Tims einflussreichen Vater (Kevin Pollak) eingeschüchtert…

Es ist leider viel Wahres dran an dem Drama über Mobbing, Macht und langwierige Folgen für die Opfer. Was Eltern häufig vorleben, greifen Kids in Kindergarten oder Schule auf oder sie geben das eigentliche Gefühl der Ohnmacht an ihre Mitschüler weiter, wodurch es zum miesen Kreislauf kommt. Nicht grundlegend, doch recht häufig sind Peiniger gleichermaßen Opfer, was hier als Metapher durch Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ während des Unterrichts angewandt wird.

Allerdings treffen hier einige Klischees zuviel zusammen. Natürlich gibt es hier und da einflussreiche Bonzen, deren verwöhnte Sprösslinge jede Missetat mit Geld freikaufen, doch mit den typischen Nerd und dem Mauerblümchen einer Mexikanerin kommt dann doch die geballte Ladung zusammen, - ebenso wie die frische Scheidung von James, der im Grunde ja schon genug Probleme mit sich herum trägt, zumal er obendrein ein Alkoholproblem zu haben scheint.

Dennoch nimmt der Stoff in Beschlag, da er recht sensibel mit den betroffenen Figuren umgeht und zugleich einen vorsichtigen Blick hinter die Fassade zu werfen versucht. In diesem Kontext erscheint die aufkeimende Beziehung der beiden Außenseiter wie ein warmer Hoffnungsschimmer, während James diverse Belange zu entgleiten drohen. Obgleich er ohne Absprache des korrupten Schuldirektors zu Werke geht, wünscht man ihm im Endeffekt deutlich mehr Durchsetzungskraft und gegen Ende auch einige rationale Vorgehensweisen mehr.

Ein Pluspunkt des Dramas ist definitiv die Besetzung, welche bis in die Nebenrollen durchweg treffend ausgefallen ist. Dastmalchian ist als Lehrer James sehr glaubwürdig, speziell die Zerrissenheit seines Charakters bringt er fein nuanciert auf den Punkt. Jackson hat als Antagonist lange Zeit weniger zu tun, doch im Zusammenspiel mit dem ebenfalls überzeugenden Pollak beweist er sein darstellerisches Können.

Obgleich Adam Dick es vermag eine gewisse Grundspannung aufzubauen und an entsprechender Stelle in die Tiefe zu gehen, gelingt ihm mit „Teacher“ nicht der ganz große Wurf, wozu auch das dramaturgisch holprige letzte Drittel beiträgt. Dennoch ist die Botschaft klar und wenn am Ende die Tafel gewischt wird, erhält man sie sogar schwarz auf weiß.
6,5 von 10

Details
Ähnliche Filme