Review

(Ausnahmsweise enthält dieses Review Spoiler.)

Es ist immer gut, wen man weiß, für wen man ist.
Und manchmal ist es hilfreich zu wissen, für wen man sein sollte.
Funktioniert das beides nicht so richtig, muss der Film schon perfekt ausbalanciert sein, damit dem Zuschauer das egal ist, sogar auf einer unterbewussten Ebene.

„We Summon the Darkness“ ist…leider nicht so ein Film.
Was ja jetzt kein kultureller Dammbruch ist, denn es handelt sich um eine von vielen Horrorkomödien, die ein wenig an den Genrekonventionen herumnagen wollen, weil sie sie eben total gecheckt und durchschaut haben.
Aber weil das im Post-Scream-Zeitalter natürlich nicht wahnsinnig Innovatives mehr ist, muss der Film sich auf seine Mischung aus finsterem Humor und galligen Wendungen verlassen und da fängt es dann enorm an zu hapern.

Das ist hauptsächlich ein Problem, weil der Film sich auf seinem einen Twist ausruht und dann nicht weiß, wie er seine Assets anlegen soll. Wir haben also drei hübsche, leicht aufgerüschte, nicht ganz hohle, Metall-Mägdelein oder wie sich Karl-Heinz Müller sich diese Geschosse wohl vorstellt. Weit über Land fahren sie zu einem großen Konzertevent, hören in den Nachrichten von rituellen Morden überall, haben ein unangenehmes Erlebnis mit Jungs in einem Transporter und klären das dann vor Ort, ja man verbringt sogar noch einen netten Abend zusammen, irgendwie.

Also Preisfrage: a) werden jetzt alle von den Killern, über die im Radio ständig berichtet wird, überfallen und nachgerade gemeuchelt oder b) sind die bösen Jungs die Killer oder c) sind die knackigen Madeln die geheimen Schlitzer?

Wie gesagt, die Chose hat einen findigen Twist und der läuft auf c) hinaus, denn unsere munteren Protagonistinnen sind die bibelsektenfixierten Massakrierer und wollen die Metal Nerds Marke männlich nun endlich für ihre eigene Intitiation in die nächste Welt befördern.
Das Problem an der Produktion aber ist: weder sind die Jungs so doof oder eklig, dass man es ihnen gönnt, noch sind sie so cool, dass es das Publikum wirklich tangieren würde. Und genau deswegen wirkt das Umschlagen des Wetters bei den Mädels auch kontraproduktiv, denn was vorher eine nette kleine Clique war, teilt sich gezwungenermaßen jetzt in drei verschwiedene Archetypen irgendwo zwischen „dumb blonde“, „final girl with issues“ und einer "eye-rolling Amok"-Soziopathin wie weilend Fairuza Balk im „Hexenclub“ von 1996.

So gerät die zweite Hälfte zu einer passablen Schlacht um Leben und Tod, während noch ein paar Gäste in die Szenerie trampeln, aber das aus den uneinheitlichen Charakteren entstehende Kuddelmuddel aus Komödie und Horrordrama findet keine einheitliche Linie, ist mal freundlich skuril, dann voller Genreklischees und driftet dann ins Drastische ab, als man sich für die Figuren richtig zu interessieren beginnt.
Aber irgendwann läuft sich der Kampf der Geschlechter auch tot, nicht zuletzt weil die Angreifer sich uneinig sind, die Back-Storys bremsen und weil ziemlich schnell einfach nicht mehr genug Opfer anwesend sind, um dem Überlebenskampf wirklich Substanz abzugewinnen. Da hat man dann das eine konstruktive Opfer und die einzig mögliche Überläuferin ausgemacht – und zum Alleräußersten in Sachen Gore greifen die Macher dann doch nicht.

Was bleibt, ist ein passabler DTV-Film für jüngere Semester, die sich einen flotten Abend lang angruseln lassen möchten, aber nichts, was im Genre wirklich Erschütterungen verursachen würde.
Aber letztendlich ist das bei der Masse an Müll, die in das Genre gekotzt wird, schon fast oberes Mittelfeld. (5/10)

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