We summon the Darkness
In den 80ern brachte ein „Therapeut“ ein bahnbrechendes Buch heraus, in dem er beschrieb, wie er mit Hilfe herausgefunden hatte, dass eine seiner Patientinnen schon als Kleinkind von einem satanischen Kult missbraucht worden war und dass dieser Kult weit verbreitet ist, bis in Eliten und Regierungskreise hinein. Später haben andere „Therapeut*innen“ mit Hilfe dessen Hypnosetechniken noch viele weitere Fälle gefunden, was zu einer Gegenbewegung geführt hat Als wichtige Einstiegsdrogen wurde die Popkultur ermittelt, in der die Eliten geschickt okkulte und satanische Botschaften platzierten, vor allem in der bösen Rockmusik. Heldenhaft wurde Jagd auf weiße Vans gemacht, mit denen Kinder entführt wurden, die, damit das nicht geschah, von männlichen Familienmitgliedern bewacht wurden. Wer nicht schon lange mit den Augen gerollt hat, tut das bitte endlich jetzt. All das ist natürlich verschwörungsgläubiger Bockmist, der auf den Antisemitismus des Mittelalters zurückgeht und ihn updatet, bis hin zur heutigen Qanonsekte. . Während Bürgerwehren Rockfans lynchten, waren die Kinder den Menschen ausgeliefert, die statistisch für die meisten Missbrauchsfälle verantwortlich sind, Männer aus dem unmittelbaren Umfeld. Kein satanischer Kult konnte bisher nachgewiesen werden, dafür aber, dass man mit oben erwähnten Praktiken Menschen wunderbar falsche Erinnerungen einpflanzen kann (fun fact: falsche Erinnerungen sind viel leichter zu erzeugen als das komplette Verdrängen), und der originale Therapeut hat besagte Patientin später geheiratet. Professionell, nicht? Die Schatten dieses Unsinns verfolgen uns bis heute, weil dumme Menschen den Scheiß immer noch glauben.
Der Film hier macht das, was die Satanic Panic eigentlich auch verdient gehabt hätte, würden nicht so viele drauf hereinfallen – er zieht die Chose durch den Kakao. Drei junge Frauen fahren auf das Konzert einer Metalband, die mit satanischen Symbolen und Ritualen spielt, während die Suche nach einer satanischen Sekte, die Menschen ermordet, läuft. Dabei treffen sie drei junge Männer, die sie nach dem Konzert nach Hause einladen. Ein paar KO-Tropfen später wachen die Männer an Stühle gefesselt auf, denn die Mädels – nein, gehören zu keinem satanischen Kult, im Gegenteil. Die drei gehören zu einem religiösen Kult, der Menschen ermordet, um dies Satanisten in die Schuhe zu schieben und die Menschen so in die Kirche zurück zu holen. Die drei Jungs sollen als Opfer/Sündenböcke gelten (deutlich realistischer als der satanic panic Quark…). Da der Film da aber gerade mal bei der Hälfte der Laufzeit ist, wird noch die Stiefmutter der Oberbetschwester in den Mix geworfen (und filetiert), plus ein Polizist. Von da an beginnt das Ganze leicht zu eskalieren.
Der Film ist nicht mehr als eine gutgelaunte Slashershow mit hübschen jungen Damen (Alexandra Daddario, die leider nie wieder so eine spannende Rolle bekam wie in Texas Chainsaw), die aber nicht so wenig anhaben, dass es allzu peinlich wird, abstrusen Wendungen und schön viel Gekröse, der hauptsächlich von der herrlich abstrusen (naja, eigentlich nicht) Grundidee lebt. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Satanic Panic kommt nicht zustande (an einer Stelle wird deutlich, dass die angebliche „Satanistenbewegung“ Satan als Symbol für den Widerstand gegen das Establishment sieht, so ist auch die Church of Satan entstanden, auch die Bigotterie religiöser Führer wird angesprochen, aber das sind Randerscheinungen), aber dafür ist der Film auch nicht gemacht. Der steht in der Tradition der 80er Slasher wie Happy Birthday to Me, Hard Rock Zombies oder Cutting Class, deshalb ist er auch in deren Gegenwart angesetzt. Schauspielerisch verlangt das Drehbuch nicht viel, das wird aber voll erfüllt. Daddario ist gerne mal böse, die anderen beiden Mädels teilen sich die Rolle der Normalen und der Psycho. Spannend ist das nicht wirklich, auch, weil einem reichlich egal ist, welche der Figuren es bis zum Abspann schafft, aber für Genrefans durchaus unterhaltsam.