Klimovskys naiver Grusler, der - angereichert mit den blutigen Effekten des spanischen Horrorfilms der 70er Jahre - ganz in der Tradition der letzten Universal-Horrorfilme der 40er steht, welche ihre traditionellen Monster in einzelnen Filmen aufeinander hetzten, um den Reiz des klassischen Gruselfilms durch die quantitative Steigerung zu erhöhen (eine Tendenz, die „Van Helsing" (2004) ebenfalls aufgegriffen hat, nachdem Gothic Horror ab „Bram Stoker's Dracula" (1992) wieder en vogue war), wurde vielfach attackiert und als naiver Heuler der Lächerlichkeit preisgegeben: „schwer verdaulich" und „unfreiwillig komisch" ist die „veräußerlichte" Horrorstory für Frank Trebbin (Trebbin: Die Angst sitzt neben Dir. Gesamtausgabe. S. 414), ein „schlampig inszeniertes Stück, dessen innere Logik man vergeblich sucht" war der Streifen für Hahn und Jansen (Hahn, Jansen: Lexikon des Horrorfilms [1985]. S. 321) und „einfallslos" und „albern" wird der Film im Lexikon des internationalen Films ([1987] S. 2707) genannt.
Dass Naschys Geschichte (Paul Naschy schrieb das Drehbuch zusammen mit Hans Munkel) veräußerlicht ist, wie Trebbin es beurteilt, kann kaum bestritten werden: die längst ikonisch gewordenen Bilder des klassischen Horrorfilms, sein seit Jahrzehnten etabliertes Regelwerk werden hier nicht vorangetrieben, nicht erneuert, sondern bloß vorausgesetzt, um eine filmische Geisterbahnfahrt zu ermöglichen, die nahezu nur aus Oberflächenreizen besteht. Der Film bedient sich aller Ikonen, Motive und Klischees des klassischen Horrorfilms und strebt dabei nichts an außer die Inszenierung dieser Elemente selbst.
Doch ist er damit weder einfallslos, noch schlampig inszeniert oder frei von innerer Logik etc. Allenfalls Albernheit mag dem Film noch vorwerfen, kann man den unbekümmerten Umgang mit dem Übernatürlichen nicht als Naivität auffassen, welche eine wohlige Stimmung zu entfalten vermag, solange sich der Zuschauer nur auf den naiven Blickwinkel einlässt.
Denn die Geschichte [Achtung: Spoiler!] von zwei Studentinnen, die in das Haus des Werwolfs Waldemar Daninsky geraten, mit diesem über Hexen- & Vampirglauben diskutieren, um wenig später unwissentlich den Leichnam der Gräfin Wandesa Dárvula de Nadasdy (die Bathory stand ganz offenbar Pate) zu erwecken, welche sich parallel zu Daninsky ihre Opfer schnappt - wobei dieser unter seinen Taten leidet, jedoch nur durch die mordende Hand einer liebenden Person Erlösung finden kann, damit ihn im Finale die in ihn bereits verliebte Studentin erlöst, nachdem er sie und ihren Freund von der Bedrohung durch die Vampirgräfin errettet hat -, ist zwar läppisch, aber stimmig umgesetzt.
An dieser Stelle ist es angebracht, den Vorwurf innerer Unlogik zurückzuweisen, der aus der angeblichen Betätigung der Vampire bei Tageslicht resultiert: denn tatsächlich treiben die Vampire ihr Unwesen nicht bei Tageslicht; allerdings wurden die Szenen bei Tage gedreht und mit einem Filter abgedunkelt - eine Technik, die Truffaut mit "La nuit américaine" (1973) populär gemacht hat. Nun sind diese Nachtszenen zwar heller als es eine reale Nacht je sein wird, zugleich sind diese Nächte aber auch von den Tagen des Films zu unterscheiden: eine Szene, in welcher die Sonne wieder aufgeht, zeigt die Vampire sogar bei ihrer Flucht in deren Grüfte. (Hier ist freilich die Qualität der Kopie des Films und die Bildschirmeinstellung beim Rezipienten von großer Bedeutung, denn dieser Film ist eines der Beispiele, bei denen eine entschärfte, leicht veränderte Farbdramaturgie auch zu inhaltlichen Verschiebungen führt.)
Genauso, wie der Zuschauer einen naiven, kindlichen Standpunkt einnehmen muss, um die Handlung nicht als Albernheit abzutun, muss er auch Zugang zur wenig naturalistischen Tricktechnik des Films finden, um die kohärente Logik des Streifens gewahrt zu wissen. (Der Film wäre quasi ein idealer Gruselfilm für Kinder, wären da nicht die bisweilen etwas drastischen Effekte.) Die Tricktechnik, die nicht naturalistisch sein, sondern Illusionen erzeugen will, betrifft nicht bloß die bei Tage gedrehten Nachtszenen; Auch der Umstand, dass die Vampire dauerhaft in extremer Zeitlupe gehen, laufen, springen und tanzen, ist freilich keine adäquate Wiedergabe einer real möglichen Bewegung von Körpern, sondern ein im Film konsequent durchgehaltenes Mittel, das eine gespenstische Atmosphäre erzeugen soll - wie es etwa auch bei den reitenden Leichen aus De Ossorios Filmen der Fall ist. Die Tonspur unterstützt das Geschehen dabei nach besten Mitteln mit gedehnten Chor- und Synthesizerklängen, mit Wolfsgeheul, Grillenzirpen und Käuzchenrufen, wobei letztere noch nicht so extrem gehäuft eingesetzt werden wie im atmosphärisch überaus dichten "El Espanto surge de la tumba" (1973); gerade die langgezogene "Musik"-Untermalung verstärkt die unwirkliche Wirkung der Zeitlupe effektvoll.
Diese Mittel mögen einfach sein, aber nicht schlampig, denn dafür wahrt Klimovsky viel zu sehr die Kohärenz und setzt seine Kniffs und Tricks auch zu gezielt ein. Die Künstlichkeit des Ganzen bleibt zwar immer wahrnehmbar, aber da der Film im Prinzip die Außenaufnahmen-Variante von Cormans und Bavas Studio-Kunst-Kulissen-Grusler ist, liegt in seiner Künstlichkeit der eigentliche Reiz des Ganzen.
Auch subliminalbildartige Einschübe, Doppelbelichtungen und eine großartige Szene, die Paris über Großaufnahmen seiner Postkarten einführt, zeugen eher von Klimovskys Geschick, aus wenig viel herauszuholen und weniger von dilettantischer Unfähigkeit.
Das größte Problem des Films dürfte wohl der Umstand sein, dass er sich eher seiner wohligen Gruselstimmung widmet, anstatt seine Dramaturgie stärker voranzutreiben. Denn die Zuschauer, die eine rasch voranschreitende Handlung und ein gewisses Maß an Aktion fordern, werden wohl unbefriedigt bleiben. Diejenigen, denen Vampire, welche in extremer Zeitlupe durch dunkle Wälder gleiten, völlig genügen, die sich durch langsam wehende Schleier blutlüsterner Hexen und durch Käuzchenschreie schon ausreichend unterhalten sehen, dürften Gefallen an diesem Film finden.
Da Paul Naschy als Wolfsmensch einmal mehr alle Register zieht und Patty Shepard ("Los monstruos del terror" (1970)), sowie die Sexfilm-erprobten Darstellerinnen Gaby Fuchs (auch bekannt aus "Hexen bis aufs Blut gequält" (1969)) und Barbara Capell die Erotik des Vampirismus anschaulich bebildern, ist Klimovskys Beitrag zum Daninsky-Zyklus letztlich formal durchgängig gehobener Durchschnitt und inhaltlich ein recht naives Gruselmärchen, in dem sich die Liebe als stärkste Kraft entpuppt, und das im Daninsky-Zyklus weit stimmiger ausgefallen ist als etwa die recht wüsten Heuler "Dr. Jekyll y el Hombre Lobo" (1972) - ebenfalls von Klimovsky - oder "La maldición de la bestia" (1975). Und mit dem deutlich besser ausgestatteten "El Retorno de Walpurgis" (1973) gehört "La Noche de Walpurgis" durchaus zu den besseren Teilen.
Gute 6/10.