Staffel 1
Drogentrips & Lebenstipps
Durch eine elektronische Vulva in unendliche Weiten,
„Midnight Gospel“ ist etwas ganz Neues, muss nichts und niemanden biten.
Eine Mischung aus surrealer Psychotherapie und philosophischem Geschwafel,
hier treffen ausgedehnte Animation und skurrile Podcasts aufeinander an einer üppig gedeckten Tafel.
Von den Machern von „Adventure Time“ und „Big Mouth“ musste man fast alles erwarten,
dennoch konnte man sich nicht ausdenken, dass das derart würde ausarten.
„Midnight Gospel“ wirkt wie ein köstlicher Drogentrip, unberechenbar und oft auch etwas wirr,
in keine Schublade lässt sich packen dieses seltsame, bizarre, augenöffnende Geschirr.
Diese Enthüllungen zur Geisterstund sind alles andere als schaurig,
sie gehen viel mehr von kurios über witzig bis tieftraurig.
Die letzte Episode sticht natürlich massiv hervor,
doch auch manch ein anderer Planet schoss bei mir seelisch ins Tor.
Es geht viel um den Tod, viel um das Leben,
wenn man aufpasst und versinkt, kann einem diese furiose Fusion unheimlich viel geben.
Dennoch verstehe ich jeden, bei dem das nicht ganz klappt,
auf den meine Verwunder- und Begeisterung nicht vollkommen überschwappt.
„Midnight Gospel“ ist verrückt, oft ein Experiment und doch kostbarer als es auf den ersten Blick den Anschein hat,
ein Festmahl für jeden, der Grenzen, Beschränkungen, Generik und Unkreativität ist satt.
Das kann stehen abgeschlossen, da darf dennoch gerne kommen mehr,
denn selbst die schwächste Folge entließ mich in die Nacht nie ganz leer.
Es gibt immer Denkanstöße und mindestens etwas zu Schmunzeln,
selbst wenn man bei manchen Sachen und Ansätzen auch mal kann mit der Stirn runzeln.
„Midnight Gospel“ ist Herausforderung, lohnend und reich,
für alle diejenigen, die gerne mal gucken weit über den üblichen Teich.
Von Wiedergeburt und Religion bis zu Sozialkritik, Familie und Flucht,
überbrücken allein die Themen und hyperbunten Bilder manch eine Eingewöhnungsschlucht.
Fazit: ein ultrainnovatives Konzept, psychedelische Visuals, unendliche Kreativität und oft starke, tiefgreifende, im besten Fall sogar erleuchtende und möglicherweise lebensverändernde Themen heben „Midnight Gospel“ in seinen besten Momenten in außergewöhnliche Sphären. Oder haben zumindest das Zeug dazu. Unvergleichlich. Love or Hate. Es braucht eine massive Eingewöhnungsphase und nicht sämtliche Episoden sind Hits, zu manchen habe ich kaum einen Zugang gefunden. Aber insgesamt eine höchstpersönliche Sache und unbedingt mal auf Drogen probieren! (8/10)