Deutschland in den 30er Jahren: Hund Kaleb wird seiner jüdischen Familie entrissen und gelangt über Umwege in die Hände des angehenden SS-Hundeführers Ralph Gössler, der ihn zu einem Lagerschutzhund ausbildet. Dort trifft Kaleb auf sein altes Herrchen, den Jungen Joshua. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht.
Da hab ich beim Review zu Arthur der Große getönt, dass mich Hundedramen immer irgendwie kriegen. Aber wie heißt es so schön, Ausnahmen bestätigen die Regel und Sheperd ist leider eine solche Ausnahme.
Was den Film extrem runterzieht, sind neben dem Score, der für das Thema viel zu leicht und locker klingt, zwei kleine, aber in diesem Fall für mich entscheidende Details. Zum einen erwarte ich, dass ein Mensch, der auf eine Mine tritt, nicht nur mit ein paar Kratzern und etwas mehr Dreck im Gesicht wieder aufsteht. Und zum anderen erwarte, nein verlange ich, dass in einer kleinen deutschen Stadt in den 30ern in einer Bäckerei deutsch gesprochen und geschrieben wird. Aber da hängt doch ein für die Geschichte maßgebliches Schild im Fenster, auf dem steht "no jews allowed". Wie will man denn bitte eine ergreifende und glaubwürdige Geschichte erzählen, wenn man solche Fehler macht?
Hinzu kommt mein übliches Problem mit Kinder-Darsteller:innen, die mich meist eher nerven, als dass ich mit ihnen mitfiebern kann. Da August Maturo als Joshua nun auch nicht die überragende Leistung zeigt, hat mich das Geschehen fast im gesamten Verlauf ziemlich kalt gelassen.
Tatsächlich hat mir Ken Duken als Nazi-Hundeführer am besten gefallen. Verdammte Axt.
Sheperd ist auch einer dieser Filme, bei dem Regie, Script und Produktion aus einer Hand stammen, was oftmals Herzensprojekte sind, die aber nicht richtig zünden wollen. Sheperd hat mich auch deshalb nicht gecatcht, weil die Regie von Lynn Roth arg zerfahren und bruchstückhaft daherkommt. Wir hüpfen von einer Momentaufnahme zur nächsten, was zwar einen roten Faden ergibt, aber eben auch eine völlig zerrupfte Erzählstruktur. Und zwischendurch werden uns Hundeträume in schwarz-weiß serviert. Rein optisch gesehen setzt der Film auch keine Glanzlichter.
Irgendwie wirkt alles nicht ganz korrekt. Das Dorf, das Lager, alle Kulissen und teils auch die Kostüme haben in mir kein Gefühl eines Deutschlands in den 30er Jahren geweckt. Irgendwie wirkte alles falsch, ähnlich wie das englische Schild, nur nicht so offensichtlich. Auch die jüdischen Mitgefangenen wurden deutlich vernachlässigt, haben kaum eine Charakterisierung bekommen. Aber sie hatten ja auch kaum Screentime.
Der letzte Punkt, den ich anzukreiden habe, ist die großspurige Ankündigung der Flucht und dass Joshua und Kaleb in die Freiheit flüchten. Das ist der große Aufmacher vom Cover. Alles schön und gut, aber wenn jene Flucht bei einem 90 minütigen Film genau 29 Minuten vor Schluss ohne jegliche Planung ganz spontan stattfindet, dann ist ist mal 'ne maue Nummer.
Lahm, zäh, weder packend noch ergreifend, Musik und Optik taugen nicht, Atmosphäre gibt es nicht und (drastische) Fehler stecken im Detail. Das geht besser, das geht dramatischer und anrührender, denn die Story hätte sicher Potential.
Knapp ⭐️⭐️⭐️⭐️.