Lost Langoliers
Die Sonne tötet! Also heißt es für ein paar Leute in einem „gekidnappten“ Flugzeug im Dunkeln bleiben und mit der Nacht um den Planeten rotieren - nur wohin soll das führen, was ist das Ziel des Fluges in die ungewisse Dunkelheit und warum führen sich die Leute dümmer auf als die meisten Figuren in Frühabend-Soaps? Viele Fragen - hier meine Antworten bzw. was ich gut und weniger gut an diesem neuen, recht beliebten und zur Situation passenden Netflix-Vehikel aus Belgien (!) finde...
NACHTSCHWÄRMER
+ Europäisches Feeling/Gemeinschaftsprojekt
+ unheimlich nach vorne gehendes Tempo
+ peitschender Score
+ zumindest unterhaltsame Figuren/Entwicklungen
+ hohe Entertainment-Quali
+ hochwertiger Look
+ King-/Lost-/Mysteryvibes
+ starke Frauenfiguren
+ neugierig machendes Szenario
+ viele Möglichkeiten/offene Fragen
+ viel (wenn auch völlig überzogenes) Drama/Konfliktpotenzial
+ Metapher für die EU?
+ Brüsseler Flughafen scheint nah
+ schnell weggeguckt; durchaus fesselnd
+ Bingewatching-Material
+ wenn man den Kopf ausmacht, klappt das ganz gut
+ Love-To-Hate-Charaktere?!
+ ein Schuss belgischer Humor
+ Mehmet Kurtulus!
+ eigentlich recht gute Darsteller (besonders für die manchmal haarsträubenden Texte/Taten!)
+ Thrill und Spannung nahezu durchgehend auf Anschlag gedreht
SONNENBRAND
— oft absolut dummes und seltsames Verhalten (vielleicht auch verursacht durch die Situation/Sonne?)
— Prämisse scheint schnell an seine Grenzen zu stoßen
— Soap-Feeling
— alles sehr oberflächlich und oft zu schnell gelöst
— massive Logiklöcher
— komplett unrealistisch (nicht nur die Ausgangslage)
— „Weltreise“ wird nicht wirklich genutzt/ausgespielt
— viele Unsympathen an Bord
— ein sehr simples Drehbuch; oft miserable Dialoge
— fühlt sich an wie Serien-Fast Food
— gerade gegen Ende einige Kopfkratzer/falsche Entscheidungen
— Auflösung macht nur bedingt Bock auf mehr
— eigentlich zu wenig aus der Lage/faszinierenden Prämisse gemacht
— zu wenig Horror
— erzwungene, aus der Luft gegriffene Konflikte
— Rückblenden werden nie genug genutzt
— Figuren höllisch flach und hohl
Fazit: ein sehr hohes Tempo, die packende Prämisse und ein gewisser Guilty Pleasure-Vibe retten „Into The Night“ nicht nur, sie lassen die sechs flotten Folgen sogar recht kurzweilig und oberflächlich unterhaltsam erscheinen. Ein perfekter Zwischensnack und thematisch zudem schockierend am Zahn der Zeit. Zu einer wirklich guten, tiefergehenden, bleibenden Serie, von der ich wesentlich mehr sehen will, macht das diese geflügelte, löchrige Apokalypse aber leider nicht ganz... (6,5/10)