Batikgewänder, bemalte VW-Busse, Barfuss laufen, Blumen verteilen, Ballaballa tanzen und Bumsen ohne Zwänge, - bedauerlicherweise bemühten sich die Blumenkinder von 68 bestenfalls ums Brechen von Benimm, Biederkeit und bestehenden Bräuchen und Bündnissen. Regisseur Richard Rushs ridiküles Resultat radikalisiert reihenweise reaktionäre Richtungen, - durchaus denkbar, dass derber Drogenkonsum den Drehbuchautoren das definierende Denkvermögen, die direkte Destination deutlich daneben diktierten.
Oder anders gesagt: San Francisco 1968: Die Hippie-Metropole blüht gerade mächtig auf, als die taube Jenny (Susan Strasberg) ihren verschollenen Bruder Steve (Bruce Dern) sucht.
Die drei Musiker um Stoney (Jack Nicholson) nehmen sich der jungen Frau an und ahnen noch nicht, in welchen Sog aus eigenwilligen Philosophien, Machtgerangel und lebensgefährlichen Drogenräuschen sie hineingezogen werden…
Der Streifen scheint wie von Hippies für Hippies produziert worden zu sein, denn anders lässt sich die dünne Story im Kontext bunter Farben und psychedelischer Musik kaum erklären.
Die vage Suche nach dem verschollenen Bruder bildet dabei den äußerst dünnen Faden, dem jedoch selten spannende Momente beigefügt werden.
Werden zu Beginn noch zwei Polizisten in einer Menge bunter Vögel zum Narren gehalten und die Taubheit Jennys mit ein paar zynischen Einlagen leicht humorvoll auf die Spitze getrieben, fragt man sich, was der Einsatz aggressiver Rednecks auf einem Schrottplatz soll, warum gleich mehrere Bands ihre zeitgenössischen Songs minutenlang zum Besten geben und weshalb eine Behausung mit zahlreichen bunten Ketten verhangen wird, die kurz darauf ohne sichtliche Wirkung wieder verschwinden.
Zweifelsohne ist das Zeitgefühl adäquat, wenn auch manchmal reichlich karikiert eingefangen worden, denn Sound, Ausstattung und Kleidung sind absolut stimmig und einige Songs von „The Seeds“ und „The Strawberry Alarm Clock“ transportieren Gefühle wie Unbekümmertheit, Sorglosigkeit und das Bedürfnis absoluter Harmonie recht treffend.
Hinzu kommen surreal anmutende Inserts aus der Egoperspektive einiger Individuen im Drogenrausch, was dazu führt, Freunde als Monster wahrzunehmen oder gegen Ritter in Rüstung zu kämpfen, während die grundlegend solide arbeitende Kamera bei einem angedeuteten Liebesspiel zwischen Nicholson und Strasberg fast schon ins Verträumt- spielerische abgleitet.
Doch der Ursprung der Geschichte mit der Suche nach dem Bruder verkommt zur Nebensächlichkeit. Hier mal ein schwammiger Hinweis auf einem Zettel, dort eine oberflächliche Aussage einer Randfigur und schlimmer noch: Weder der Gesuchte noch die Suchende werden mit einem greifbaren Hintergrund oder einer nachvollziehbaren Verbindung zueinander ausgestattet. Gerade einmal fünf Minuten erzählt der Vermisste vom tragischen Hintergrund der Familie, um kurz darauf fast gänzlich von der Bildfläche zu verschwinden.
Da können letztlich auch die vielen bekannten Gesichter nicht viel ausrichten. Strasberg spielt zwar recht ordentlich, doch ihre Figur ist zu sehr von den Einflüssen ihres Umfeldes geprägt, um als starke Persönlichkeit hervorzugehen. Auch Nicholsons Figur wird eher von seiner Umgebung gesteuert, wobei er als Musiker eine recht unbeholfene Figur ohne Rhythmusgefühl abgibt. Bruce Dern hat seine erwähnten starken fünf Minuten als Flüchtender, während Dean Stockwell als indirekter Konkurrent von Nicholson mit ein paar ruhigeren Passagen einen positiven Eindruck hinterlässt.
Am Ende steht das Zeitgefühl deutlich über der dünnen Geschichte, welche final zwar kurzfristig Spannung aufnimmt, letztlich aber allenfalls die plakative Botschaft untermauert, dass man einerseits zumindest den Tod ernst nehmen sollte und andererseits, - und das ist bezüglich der Zeit und der spezifischen Kultur noch ein wenig platter - Drogenkonsum auch ernst zu nehmende Folgen haben kann.
Als leicht plakatives Aushängeschild für San Francisco und seine damaligen Nerds vielleicht ganz nett und nostalgisch anmutend, als ernst zu nehmender Streifen mit Tiefgang jedoch zu plump, redundant und zu selbstverliebt inszeniert.
Knapp
4 von 10