Die "Nonne von Monza" ist ein recht früher Vertreter des sogenannten "Nunploitation"-Genres, das zur Entstehungszeit des Film aber wohl noch nicht mit seinen kennzeichnenden Motiven und Stereotypen existiert haben dürfte. Die große Ära sollte erst in den goldenen 70ern anfangen, als in Streifen wie "Flavia, la monaca musulmana" alias "Castigata" oder "Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne" die gepeinigten Pinguine ihre sadomasochistischen Höhepunkte erleben durften. 1969, als Eriprando Visconti mit Anne Heywood in der Hauptrolle sein Nonnendrama um die Äbtissin Virginia de Leyva drehte (das anscheinend auf irgendeine Legende zurückgeht, die in Italien gleich mehrmals verfilmt wurde), war es wohl noch nicht so angesagt, die Kino-Leinwände mit aufgespießten Leibern und abgezogener Haut zu füllen. So haben wir es hier mit einem sehr zurückhaltenden Streifen zu tun, der zwar in kleineren Szenen die Brutalität späterer Nonnenfilme schon entfernt ahnen lässt - so werden schon mal ein paar Dornen um die nackte Brust geschnürt, die Strandkleidung der Zukunft??, oder kurz die Daumenschrauben angezogen, aber diese Elemente sind absolut nebensächlich und zum Tragen des Films weder ausersehen noch imstande. In erster Linie wird hier eine Geschichte erzählt, und das in einer ziemlich brav-langweiligen Art und Weise. Besagte Äbtissin hat neben ihrem Kloster einen dauerlüsternen jungen Edelmann wohnen, der nicht nur die von ihr zu behütenden Jungferlein, sondern auch sie, die ehrwürdige Mutter selbst, auf seine amouröse Abschussliste gesetzt hat. Mit Hilfe einiger moralisch nicht ganz integerer Nonnen und auf die gewaltsame Tour kommt er an sein Ziel und verrichtet sein Werk so erfolgreich, dass wenig später die Äbtissin ein Kind zur Welt bringt. Selbiges wird dann auch ganz normal im Kloster gehegt und gepflegt, als gäbe es nichts selbstverständlicheres. Hier beginnt man schon so langsam an dem Film zu zweifeln - natürlich wurde auch im 16. Jahrhundert, oder wann immer das spielt, nur mit Wasser gekocht, aber in diesem Kloster scheint es doch SEHR locker zuzugehen. Irgendwann gerät das ganze dann doch noch aus den Fugen, was dazu führt, dass sich der Edelmann als Scheusal entpuppt und eine Magd des Klosters ermordet sowie auf der Flucht noch eine Nonne erschlägt und eine weitere hilflos in einem Sumpf zurücklässt. Auch die Äbtissin hat nun nichts mehr zu lachen und wird der Inquisition überantwortet...
Die in meinen Augen nicht nur seltsame, sondern auch ablehnungswürdige Darstellung "Frau verliebt sich in ihren Vergewaltiger" wird hier beispielhaft durchexerziert. Da das Verhalten der Figuren im folgenden recht widersinnig erscheint, fällt es dem Zuschauer schwer, sich in sie hineinzuversetzen. Das uninspiriert-langweilige Spiel von Anne Heywood, Antonio Sabato sowie Hardy Krüger als unmoralischem Priester trägt ebenfalls erheblich dazu bei, dass der ganze Film träge und spannungsarm wirkt. Die Musik stammt von Ennio Morricone, bleibt aber nicht im Gehörgang präsent, da sie sich häufig auf Pseudomotive wie eine mehrfach angeschlagene Klaviertaste beschränkt. Die Schauwerte späterer Nonnenfilme fehlen hier - unter anderem aufgrund der frühen Entstehungszeit - ebenso. Daher kann ich nicht zu diesem Werk raten. Lieber Jess Francos "Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne" anschauen.