Vierter Teil einer den meisten wahrscheinlich und wahrscheinlich auch zu Recht unbekannten Horror-Reihe namens ursprünglich Playing with Dolls (2015), die allerdings bereits das zweite Standbein von dem damit auch in entsprechenden Kreisen geläufig gewordenen Filmemacher Rene Perez, nach der dieselbe Formel und Kundschaft bedienenden Trilogie The Dead and the Damned (2011 / '14 / '18) ist. Perez als umtriebiger, mit seit 2010 auch über 20 Werken an den Start gegangener Regisseur, der gleichzeitig auch die Scores seiner Werke macht, die Kamera und den Schnitt bedient und auch Autor dessen ist, ein Auteur quasi mit einem Anliegen, welches in Sachen Genre laut eigenen Aussagen in Richtung der Reanimation der Cannon-Produktionen der Achtziger Jahre gehen sollen, aber meist eine krude und dort so nicht stattfindende Mischung aus Action und Horror oder Horror und Western, also nichts aus dem Fundus von Golan und Globus ist. Durchmischt wird das zuweilen mit einem seltsamen bis verstörenden politischen Ton, welcher ebenfalls nicht bei den Herrschaften aus Israel vorkam, und einer visuellen Attitüde, die immerhin gleichbleibend gehalten, und so erkennbar auch Perez zuzuschreiben ist:
Die junge aufstrebende Provinzjournalistin Ellen Weaver [ Emily Sweet ] ergattert ein Interview mit dem vom FBI gesuchten und deswegen sich in der Einöde versteckenden 'Voyeur' [ Richard Tyson ], der für die Ermordung von jungen Frauen durch seine Tötungsmaschine Havoc [ J.D. Angstadt ] vor laufender Kamera berühmt und berüchtigt ist. Als Weaver feststellt, dass sie selber zum Opfer werden soll, kann ihr nur ein Polizist [ Robert Bronzi ] helfen, der in der Gegend auf der Suche nach seiner vermissten Tochter Rachel [ Spring Inés Peña ] ist.
Wahrscheinlich so auch lieb gewonnen bei seinen Anhängern und gewohnt in der Arbeitsweise und ausgeprägt in den eigenen Vorlieben macht Perez hier von Beginn an das Glecihe wie sattsam und immer. Der Wald als Hauptschauplatz ist oder wirkt zumindest ausgedörrt und trocken wie Zunder, was durch die nahezu monochromen Bilder und dem Rückgang fast aller kräftigen Farben, vor allem dem des Grüns so ausgelöst wird; eine Natur kurz vor dem Krepieren, mit Waldbrandstufe III, kein Wunder, dass hier schon das Feuer zündelt und die letzte Nahrung bündelt. Ein Frauenopfer mit halb offener Bluse im Blickfeld, bald barbusig in der Szene und noch eher die gesuchte Beute eines maskierten Ledermannes, der nicht sprechen kann, aber groß ist und kräftig und von Mordlust erfüllt. Ein Bösewicht im Hintergrund, der der Welt den Schmerz schenken will und sich in seinen eigenen kruden bis kranken Gedanken suhlt und ein deftiger Splattereffekt, das Abreißen des Kinns und der halben Gesichtshälfte eines anderen armen Opfers, der eher zufällig in der Gegend war, sowie vorher eine Spannungs- oder auch Terrorsequenz, die eher entnervend gehandhabt ist, aber so immerhin den Zuschauer auf Trab hält.
Ein Arbeiten mit bekannten Formeln und ein Arbeiten mit bekannten Darstellern, was mal besser und oft schlechter ist, ein eigenes Perez-Universum quasi, das die letzten Jahre erschaffen wurde und Verdienst eines einzigen Mannes und eines Allroundtalentes mit der Übernahme der wichtigsten Aufgaben ist. Das Paranoia-Flair und die allgemeine Sehnsucht nach Verschwörungstheorien ist auch hier, in einem nach außen hin als Horror- oder Slasherfilm angelegten Projekt und nicht etwa nur in dem deutlichen The Insurrection (2020) vorhanden, eine Schwarz-weiß-Gesinnung, die sich den stark entfilterten Bildern anpasst und eine unwohle Grundstimmung hinterlässt. Eine isolierte Gegend mit einer ebenso isolierten Gesellschaft, außerhalb der Zivilisation und auch eher im Rück- statt im Fortschritt.
Die nächsten Brüste bei der nächsten Beute vom titelgebenden Havoc (2017) als 'Entertainment' für die Genreklientel, der es eher nach (S)Exploitation dürstet als nach Indoktrination, hier aber nur beides auf einmal bekommt oder zumindest in steter Abwechslung. Wer a sagt, muss auch b sagen, das Unterhaltungs-Paket wird hier nur insgesamt ausgeliefert oder gar nicht. Wenigstens spielt der Bronson, also der Bronzi mit, der hier (im stummen) tatsächlich so etwas wie Würde ausstrahlt, in Erinnerung an den Verstorbenen und der eklatanten Ähnlichkeit zum Bronson natürlich; außerdem sind zwei, drei Schockmomente tatsächlich wirkungsvoll. Der lange Rest, allen voran der Mittelteil ist dann ein großes Interview, eine Frage- und Antwortstunde zwischen der Journalistin und dem Mastermind, der Heiße Stuhl quasi, wobei beide Darsteller zumindest etwas besser als der Rest, aber Dialoge und gerade der Inhalt nicht wirklich ergiebig sind, unterschnitten mit einer Reihe Splatterszenen aus den Vorgängern, in denen mit der Kettensäge in den Unterleib gestoßen wird, Köpfe halbiert und Eingeweide studiert.
Später raus aus dem unterirdischen 'Fernsehstudio' und seiner Rotlichtkammer und zurück in der freien Wildbahn wird es wieder etwas besser, der dürre Plot mit einer Schießerei im Wald und um ein ausgebranntes Auto herum gefüllt und gestreckt, der kleine Sechsschüsser gegen Maschinenpistolen und in Überzahl, in Sachen räumlicher Aufteilung wie oftmals bei Perez eher konfus gehalten, aber so knorrig wie der verdurstende Waldboden wirkend. Musikalisch hält sich der Maestro diesmal recht zurück, hat dann aber ein, zwei echte Bringer.